Drohne in der Nähe des russischen strategischen Frühwarnradarsystems abgeschossen

29 Mai 2024 11:50 Uhr

https://odysee.com/@RTDE:e/-M%C3%BCssen-wissen,-womit-sie-spielen–%E2%80%93-Putin-zum-Einsatz-westlicher-Waffen-gegen-Ziele-in-Russland:8?src=embed

In der Nacht haben russische Luftverteidigungskräfte über Armawir im Gebiet Krasnodar ein unbemanntes Luftfahrzeug abgeschossen. In der Nähe der Stadt befindet sich ein russisches Frühwarnsystem zur Erkennung von Angriffen mit interkontinentalen ballistischen Raketen (ICBMs).

Drohne in der Nähe des russischen strategischen Frühwarnradarsystems abgeschossen
Ähnliche Radaranlage vom Typ „Woronesch“ im Gebiet Kaliningrad (Symbolbild)

In der Nacht haben russische Luftverteidigungskräfte über Armawir im Gebiet Krasnodar ein unbemanntes Luftfahrzeug abgeschossen. Das teilte am frühen Morgen der Regionalgouverneur Weniamin Kondratjew auf Telegram mit. Vermutlich handelt es sich um eine Drohne der ukrainischen Streitkräfte. Auf einem auf Telegram-Kanälen geteilten Video ist zu sehen, wie eine Drohne in der Morgenröte über ein Wohngebiet fliegt.  

„Heute Morgen hat unser Militär erneut einen Versuch des Kiewer Regimes unterbunden, auf dem Territorium der Region Krasnodar einen Terroranschlag zu verüben. Über der Stadt Armawir zerstörten die Luftabwehrtruppen ein unbemanntes Fluggerät.

Laut vorläufigen Daten gibt es keine Opfer oder Zerstörungen. Die Suche der Absturzstelle ist im Gange, Spezialdienste sind im Einsatz“, meldete der Gouverneur. 

Armawir ist ein besonderer Ort, denn nur zwölf Kilometer südwestlich der Stadt, auf dem ehemaligen Flugplatz Baronowski, befindet sich die gleichnamige Station mit zwei Frühwarnradaren zur Erkennung von Angriffen mit interkontinentalen ballistischen Raketen (ICBMs). 

Rainer Rupp: Angriffe auf Russlands Frühwarnradarsystem – Eskalation in Richtung Atomkrieg

Analyse

Rainer Rupp: Angriffe auf Russlands Frühwarnradarsystem – Eskalation in Richtung Atomkrieg

Die beiden Ultrahochfrequenz-Radare vom Typ „Woronesch-DM“ sind jeweils nach Südwesten und Südosten ausgerichtet, um den Mittelmeerraum bis nach Nordafrika und die Region im Nahen und Mittleren Osten zu kontrollieren. Die angegebene Reichweite beträgt 4.200 Kilometer (nach anderen Angaben über 6.000 km).

In ihrer jetzigen Konfiguration wurde die Station „Armawir“ im Juni 2013 in Betrieb genommen. Zusammen mit weiteren derartigen Einrichtungen in den anderen Regionen der Russischen Föderation ist sie ein unverzichtbares Bindeglied des russischen Schildes für nukleare Sicherheit. 

Beide Radare waren bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (am 23. Mai) von einer ukrainischen Drohne angegriffen und beschädigt worden. Das teilte am Samstag der russische Senator und ehemalige Chef von Roskosmos, Dmitri Rogosin, auf Telegram mit – RT DE berichtete.

Rogosin wies darauf hin, dass der Angriff auf Armawir nur wenige Tage nach dem Beginn der taktischen Nuklearübungen Russlands erfolgt sei. Für die Attacke machte er die USA verantwortlich. Er schrieb: 

„Wir nähern uns also nicht nur dem Abgrund, sondern stehen bereits direkt an der Kante, jenseits derer, wenn der Feind bei solchen Aktionen nicht gestoppt wird, ein unumkehrbarer Zusammenbruch der strategischen Sicherheit der Atommächte beginnen wird.“ 

Im Internet kursieren zahlreiche Fotos von der beschädigten Radarstation. Wie der Telegram-Kanal „Militärchronik“ berichtet, könne die Reparatur dank Modulsystemen relativ schnell durchgeführt werden. Das russische Verteidigungsministerium hat sich zu dem Angriff auf „Armawir“ bislang nicht geäußert.

Angriffe auf russische Frühwarnradarsysteme erfolgen regelmäßig 

Inzwischen ist bekannt, dass die Radarstation in Armawir von der britisch-portugiesischen Kamikadze-Drohne Tekever AR3 angegriffen wurde. Am 26. Mai erfolgte ein ukrainischer Angriff auf ein weiteres Radarsystem vom Typ „Woronesch“ nahe der Stadt Orsk in der Ural-Region Orenburg. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf ukrainische Medien. Örtliche Behörden und Medien hatten an diesem Tag einen abgewehrten Drohnen-Angriff gemeldet.

Oberst Reisner: US-geführter Angriff auf Armawir könnte Atomkrieg auslösen

Oberst Reisner: US-geführter Angriff auf Armawir könnte Atomkrieg auslösen

Der Telegram-Kanal für Militäranalysen Rybar bestätigte, dass die Frühwarnsystemanlage das Ziel des Angriffs war. 

Am 18. April bekannte sich der ukrainische Militärgeheimdienst GUR zu einem versuchten Angriff auf die 90. separate funktechnische Einheit der Militäreinheit 84680 in der Stadt Kowylkino in der Wolga-Region Mordowien, wie die russische Zeitung MK berichtete. Bei der angegriffenen Militäranalage handelte es sich um ein Überhorizont-Radar 29B6 Container, das für die Kontrolle des Luftraums über eine Entfernung von mehreren tausend Kilometern zuständig ist.

Die Zeitung weist darauf hin, dass derartige Maßnahmen eine russische Antwort mit Atomwaffen zur Folge haben können, denn sie stehen im Einklang mit Absatz 18 des Abschnitts III „Bedingungen für den Übergang der Russischen Föderation zum Einsatz von Kernwaffen“ der „Grundlagen der staatlichen Politik auf dem Gebiet der nuklearen Abschreckung“. 

Obwohl solche Angriffe noch kein Thema für russische amtliche Meldungen sind, weist die Häufung derartiger Berichte nach Meinung der russischen Politanalystin Jelena Panina darauf hin, dass die Versuche, das russische Frühwarnsystem zu beschädigen, inzwischen systematischen Charakter angenommen hätten. Die Angriffe haben mit der ukrainischen Landesverteidigung nichts zu tun und könnten als Vorstufe für eine vom Westen provozierte nukleare Eskalation dienen. 

https://de.rt.com/russland/207405-drohne-in-naehe-russischen-strategischen-fruehwarnradarsystems-abgeschossen/

FSB: NATO übt Atomschläge gegen Russland

Wer zündelt mit dem nuklearen Feuer?

29 Mai 2024

„Putin droht mit Atomwaffen“, ist jedes Mal in den deutschen Zeitungen zu lesen, wenn der russische Präsident das Wort Atom auch nur in den Mund nimmt. Und gleichzeitig zielt die Ukraine jetzt auf das russische Vorwarnsystem. Wer also zündelt wirklich?


Wer zündelt mit dem nuklearen Feuer?
Quelle: http://www.globallookpress.com © Andrey Arkusha
Symbolbild, durch „KI“ generiert.
Von Dagmar Henn
Ehe man sich der Frage zuwendet, wer derzeit wirklich mit der nuklearen Bedrohung spielt, lohnt es sich, einen Blick zurückzuwerfen, auf einen der bisher gefährlichsten Momente, die Kuba-Krise. Es ist lange her, aber die Geschichte wird im Westen immer noch meist falsch erzählt. Zu meiner Schulzeit (die lange her ist) war diese falsche Erzählung sogar eine der Lektionen im Englisch-Unterricht. Chruschtschow hätte Raketenbasen auf Kuba errichtet, das sei der Auslöser der Krise gewesen, die noch in letzter Sekunde durch sein Nachgeben hätte gelöst werden können.


NATO macht Dampf im Kriegskessel: Parlamentarischer Rat für Angriffe auf Russland "bis zum Sieg"
NATO macht Dampf im Kriegskessel: Parlamentarischer Rat für Angriffe auf Russland „bis zum Sieg“
Was in dieser Geschichte fehlt, sind die Jupiter-Raketen, die die USA zuvor in der Türkei und in Italien stationiert hatten. Die Vereinbarung, die zwischen dem sowjetischen Außenminister Anatoli Dobrynin und dem damaligen Generalstaatsanwalt der USA, Robert Kennedy, geschlossen wurde, beinhaltete nicht nur den Rückzug der sowjetischen Raketen aus Kuba, sondern eben auch den Rückzug der Jupiter-Raketen aus der Türkei. Eine Tatsache, die, obwohl mittlerweile selbst von hochoffiziellen Publikationen bestätigt, immer noch vergleichsweise wenig bekannt ist; noch sechzig Jahre danach gilt die Sowjetunion als Auslöser der Krise, und nicht die Vereinigten Staaten. Mit dazu beigetragen haben dürfte, dass es streng untersagt wurde, Fotos vom Abzug der Jupiter-Raketen zu machen. Im europäischen Gedächtnis ist es, als hätte es sie nie gegeben.
(Übrigens war wohl selbst der damalige US-Präsident John F. Kennedy nicht offiziell über die Stationierung der Raketen informiert worden, die bereits unter seinem Vorgänger geschah. Larry Johnson erzählte jüngst, auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates der USA habe Kennedy gegen Ende der Beratung in scherzhaftem Ton die Bemerkung gemacht, „es ist ja nicht so, als hätten wir Raketen in der Türkei“. Worauf betretenes Schweigen folgte, und danach das Eingeständnis, es gebe sie doch).
Auch zum gegenwärtigen Ukraine-Konflikt gibt es eine Vorgeschichte. Ray McGovern hat sie jüngst in einem Artikel in Consortium News (Achtung, der Knopf, um diesen unmöglichen automatischen Übersetzer auszuschalten, befindet sich links unten) in Erinnerung gebracht.
Noch am 30. Dezember 2021 hatte US-Präsident Joe Biden dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefonat zugesichert, die Vereinigten Staaten würden keine Nuklearraketen oder nuklearfähigen Raketen in der Ukraine stationieren. Die betreffende Passage aus der Zusammenfassung lautet:


Oberst Reisner: US-geführter Angriff auf Armawir könnte Atomkrieg auslösen
Oberst Reisner: US-geführter Angriff auf Armawir könnte Atomkrieg auslösen
In diesem Zusammenhang betonte Joseph Biden, dass Russland und die USA eine besondere Verantwortung dafür trügen, die Stabilität in Europa und der ganzen Welt zu sichern, und dass Washington keine Absichten habe, in der Ukraine offensive Angriffswaffen zu stationieren.
In einem Interview vom 19. April dieses Jahres erzählte Russlands Außenminister Sergei Lawrow, wie lange diese US-amerikanische Zusage hielt. Im Januar 2022 traf er sich in Genf mit US-Außenminister Antony Blinken.
Ich erzählte Antony Blinken von unserem Bündel von Vorschlägen. Sie machten sich Sorgen um die Entwicklungen rund um die Ukraine, obwohl sie diejenigen waren, die eine Krise schufen. Er sagte, NATO käme nicht in Frage. Wir sollten jedoch irgendwie in Bezug auf unseren Vorschlag zu Mittelstreckenraketen einen Weg finden, da die nun auch in der Ukraine stationiert werden könnten (da sie nicht länger verboten sind), und die Vereinigten Staaten wären bereit, ihre Zahl in der Ukraine zu begrenzen.
In weniger als einem Monat von der Zusage, keine Raketen in der Ukraine zu stationieren, hin zu einem „Verhandlungsangebot“ über eine Begrenzung ihrer Menge… und zwei Wochen später der Moment, der vor diesem Hintergrund eine ganz andere Qualität gewinnt, der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij auf der Münchner Sicherheitskonferenz, bei dem dieser – vom versammelten westlichen Publikum unwidersprochen – erklärte, sein Land brauche Atomraketen.


Drohne in der Nähe des russischen strategischen Frühwarnradarsystems abgeschossen
Drohne in der Nähe des russischen strategischen Frühwarnradarsystems abgeschossen
Nun, wenn man das Kommunikationsmuster, das man im Zusammenhang mit der Lieferung konventioneller Waffensysteme vom Westen kennt, gewissermaßen auf die Vorgeschichte überträgt, würde die Kombination dieser Aussagen nicht nur bedeuten, dass die USA ernsthaft beabsichtigen, atomare Raketen in der Ukraine zu stationieren, sondern dass sie vermutlich mindestens bereits in den Vorbereitungen für diese Stationierung stecken. Schließlich passierte es mehrfach, dass die Lieferung bestimmter Waffensysteme erst dann vor den Augen der Öffentlichkeit beschlossen wurde, wenn diese bereits in der Ukraine eingetroffen waren.
Was dann gleichzeitig bedeuten würde, dass die Kombination dieser Aussagen, Blinkens bizarre „Verhandlungsbereitschaft“ und Selenskijs Aussage auf der Münchner Sicherheitskonferenz, eine Situation schufen, die nicht einfach nur eine Bedrohung für Russlands Sicherheit darstellte, sondern eine unmittelbare, akute Bedrohung, gegen die mit allen Mitteln vorgegangen werden musste.
Die Vorgeschichte dazu beginnt im Februar 2019, als die Vereinigten Staaten den INF-Vertrag kündigten. Die Bedeutung dieses Vertrags erläuterte damals selbst die Konrad-Adenauer-Stiftung relativ zutreffend:
„Der ­INF-Vertrag hatte eine destabilisierende Waffenklasse aus Europa und anderen Regionen verbannt. Er verbot Russland sowie elf weiteren ehemaligen ­Sowjetrepubliken und den ­USA den Besitz, die Produktion und das Testen landgestützter – jedoch nicht luft- und see­gestarteter – ballistischer Raketen und Marschflugkörper mit Reichweiten von 500 bis 5.500 Kilometern sowie ihrer Startvorrichtungen. Solche in Europa stationierten Systeme hatten sehr kurze Flugzeiten von wenigen Minuten bis zu ihren Zielen. Die knappe verbleibende Reaktionszeit für militärische und politische Entscheidungsträger, um effektiv auf einen Angriff zu reagieren, erhöhte aus Expertensicht das Risiko für Missverständnisse, Fehlkalkulationen und den Anreiz für Präventivschläge.“


Soll sich der Westen an die Vorstellung eines Weltkrieges gewöhnen?
Meinung
Soll sich der Westen an die Vorstellung eines Weltkrieges gewöhnen?
Für die russische Seite waren insbesondere die Aegis Ashore-Einrichtungen in Polen und Rumänien Gegenstand des Misstrauens. Diese Startanlagen könnten, so die russische Vermutung, nicht nur die Abwehrraketen SM-3, sondern auch Tomahawk-Marschflugkörper, auch mit nuklearer Bestückung, einsetzen. Ohnehin war die Begründung der USA, diese Anlagen sollten iranische Raketen abwehren, von vorneherein fadenscheinig.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung folgte damals, was nicht überrascht, der US-amerikanischen Argumentation. Aber sie protokollierte durchaus, dass die USA, als ihnen im Januar 2019 eine Inspektion der Raketen angeboten wurde, die sie als Verstoß Russlands gegen den INF-Vertrag anführten, abgelehnt haben. Und aus heutiger Sicht höchst überraschend ist dann dies:
„Außerdem hätten die ­USA Russland eine In­spektion ihrer Aegis-Raketenabwehrstellungen in Polen und Rumänien anbieten können, um zu demonstrieren, dass die dort installierten MK-41 ­VLS-Senkrechtstartanlagen nicht zum Abschuss von Marschflugkörpern geeignet sind und dieser Raketentyp dort auch nicht stationiert ist. Auch diese Option wurde nicht bemüht.“
Diese Kündigung des INF-Vertrages ist es, auf die sich Antony Blinken mit der Bemerkung bezog, sie seien nicht länger verboten. In diesem Kontext ist absolut klar, dass hier von Raketen mit atomarer Bestückung geredet wird.
Und es ist nicht so, als wäre das nukleare Thema seitdem von westlicher und ukrainischer Seite nicht immer wieder ins Gedächtnis gerufen worden. Auch die unzähligen Angriffe auf das Atomkraftwerk Energodar, die im Westen nach wie vor als rätselhafter russischer Selbstbeschuss erzählt werden, gehören dazu; als Erinnerung daran, dass sich jedes Atomkraftwerk und jeder Lagerplatz für nuklearen Abfall in eine schmutzige Atomwaffe verwandelt lässt, die zwar keine mächtige Explosion liefert, aber große Gebiete verseucht.


FSB: NATO übt Atomschläge gegen Russland
FSB: NATO übt Atomschläge gegen Russland
Das ist gewissermaßen die Leinwand, auf die mit den Angriffen auf Einrichtungen des russischen Frühwarnsystems weitere Pinselstriche gesetzt werden. Angriffe, die für die Ukraine militärisch überhaupt keinen Sinn machen, sondern nur im Zusammenhang mit einem beabsichtigten Erstschlag. Was natürlich gleichzeitig bedeutet, dass Russland es wie ein Anzeichen für einen drohenden Erstschlag behandeln muss, und demzufolge selbst minimale Schäden mindestens die nukleare Bereitschaft heraufsetzen.
Genau diese Reaktion wird dann dem westlichen Publikum unter der Überschrift verkauft, „Russland droht mit Atomraketen“. Eine Verkehrung der Tatsachen, wie man sie schon seit der Kuba-Krise praktiziert. Dummerweise ist es genau diese verdrehte Erzählung, die den dringend erforderlichen Widerstand der Bevölkerung im Westen gegen diese fortgesetzte Eskalation erschwert.
Mehr zum Thema – Rainer Rupp: Angriffe auf Russlands Frühwarnradarsystem – Eskalation in Richtung Atomkrieg 

Hinterlasse einen Kommentar