Was Oreschnik zu einer grundlegend neuen Waffenart macht

25 Dez. 2024 18:28 Uhr

Putin: Ausreichende Anzahl an Oreschnik-Raketen macht Atomwaffen überflüssig

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Ein historisches Ereignis auf dem Gebiet der Raketen- und Raumfahrt.“ Mit diesen Worten charakterisierte Präsident Wladimir Putin das Erscheinen der neuesten russischen Rakete Oreschnik. Aber was genau sind die Merkmale, die die einzigartigen Fähigkeiten dieses Waffentyps ausmachen?

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Von Alexei Anpilogow

Das Raketensystem Oreschnik ähnelt nur auf den ersten Blick den ballistischen Mittelstreckenraketen (MRBM) aus der Sowjetära. Tatsächlich hat die russische Rüstungsindustrie einen bedeutenden Schritt nach vorn gemacht und eine Waffe geschaffen, die Russland grundlegend neue Kampffähigkeiten verleiht. „Oreschnik ist nicht das Ereignis des Jahres, sondern ein historisches Ereignis im Bereich der Raketen- und Raumfahrt. So etwas hat es bei dieser Art von Waffen noch nie gegeben“, hob der russische Präsident Wladimir Putin Ende letzter Woche die Bedeutung der neuen Waffe hervor.

Um die technische Perfektion der ballistischen Mittelstreckenrakete Oreschnik zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick auf die Videoaufnahmen des Einschlags dieser Rakete von mehreren Standorten aus in das Werk von Juschmasch am 21. November 2024 zu werfen. Das Video vermittelt zunächst eine Vorstellung vom Aufbau des Gefechtskopfes dieser Rakete. Wir sehen den Einschlag von sechs Paketen mit jeweils sechs Sprengköpfen, was insgesamt eine Nutzlast von 36 Sprengköpfen ergibt. Dies ist an sich schon ein Novum – noch nie in der Geschichte der Raketen- und Raumfahrtindustrie wurden Raketen mit Dutzenden von trennbaren Sprengköpfen gebaut, die sogar selbstgesteuert sind.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums waren die Oreschnik-Gefechtsköpfe inert, das heißt, sie enthielten keinen Sprengstoff, und waren Attrappen von Kampfgeschossen. Dennoch waren die Oreschnik-Sprengköpfe auch in dieser Konfiguration mit allen üblichen Hitzeschutz- und Manövriersystemen ausgestattet.

Der Hitzeschutz ist ein zentrales Thema. Die Geschwindigkeit von Oreschnik-Geschossen, die sie bei der Annäherung an das Ziel haben, ist bekannt – sie beträgt Mach 10 (die zehnfache Schallgeschwindigkeit, etwa 3,4 Kilometer pro Sekunde). Die ukrainische Seite schätzt, dass die Geschwindigkeit sogar Mach 11 (mehr als 3,7 Kilometer pro Sekunde) beträgt. Die meisten Interkontinentalraketen und ballistische Mittelstreckenraketen zeichnen sich durch eine geringere Wiedereintrittsgeschwindigkeit des Sprengkopfes in die Atmosphäre aus, die zwischen Mach 3 und Mach 5 liegt. Bei solchen Geschwindigkeiten ist die Erwärmung der Hülle des ballistischen Flugkörpers gering. Mit der Geschwindigkeit steigt jedoch die Temperatur des Gefechtskopfes.

Für Oreschnik haben russische Konstrukteure also Materialien entwickelt, die diesen Temperaturen standhalten können, und das ist wirklich eine herausragende Leistung. Bisher war die Menschheit nicht in der Lage, so etwas zu schaffen; bei solchen Geschwindigkeiten würden die üblichen Kampfeinheiten ihre Steuerbarkeit verlieren oder sich einfach selbst zerstören.

Dank dieser Materialien war es möglich, die Geschwindigkeit der Sprengköpfe zu erhöhen und die kinetische Energie zum Hauptschlagfaktor von Oreschnik zu machen. Daher kann die Rakete jeden geschützten Bunker oder jede unterirdische Fabrik treffen, wobei die Sprengladung bis in eine beträchtliche Tiefe vordringt und dank des Systems der individuellen Steuerung der Geschosse punktgenau ist.

Die zweite Errungenschaft von historischem Ausmaß ist die Unverwundbarkeit der Oreschnik in der Konfrontation mit Luftabwehrsystemen. Am 19. Dezember bot Präsident Putin dem Westen ein „Hightech-Duell des 21. Jahrhunderts“ an: Man solle ein Ziel in Kiew wählen, alle Luft- und Raketenabwehrsysteme westlicher Hersteller im Voraus dort konzentrieren und dann versuchen, den Angriff unserer Rakete abzufangen.

https://overton-magazin.de/top-story/putin-fordert-die-usa-zu-einem-hightech-duell-oreshnik-gegen-thaad-auf/

Drei solcher Systeme wurden in der Rede des Präsidenten erwähnt: das MIM-104 Patriot PAC-3 SAM-System, das THAAD SAM-System und das Aegis Ashore-Raketenabwehrsystem, eine landgestützte Version des schiffsgestützten Aegis-Systems, das in zwei Stellungsgebieten in Rumänien und Polen stationiert ist.

Diese Systeme haben keine Chance, Oreschnik zu erwischen, wenn sie sich in der Startphase ihrer Flugbahn befindet und am verwundbarsten ist.

Die Startreichweite von Oreschnik beträgt mehr als 5.000 Kilometer und entspricht einer ballistischen Rakete mittlerer Reichweite, während die maximale Reichweite des westlichen Raketenabwehrsystems mit der größten Reichweite, Aegis Ashore, nicht mehr als 1.200 Kilometer beträgt.

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Am Scheitelpunkt der ballistischen Flugbahn könnte die Oreschnik-Rakete theoretisch in ihrer Transport-Stufe von einer SM-3-Rakete des Aegis-Ashore-Systems abgefangen werden. In der Praxis geht die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses jedoch gegen null. Wie der Präsident es ausdrückte, brauche man Zeit, um eine solche Strecke zurückzulegen und die Rakete zu treffen, diese Stufe dauere bei der russischen Rakete jedoch nur „ein paar Sekunden“, bis die Sprengköpfe voneinander getrennt werden – „und dann ist der Zug abgefahren“, so Putin.

Was Oreschnik zu einer grundlegend neuen Waffenart macht
Symbolbild

Die Hyperschall-Sprengköpfe der Oreschnik-Rakete „tauchen“ nämlich nach dem Überschreiten des Apogäums sofort in die Atmosphäre ein, woraufhin THAAD und Aegis Ashore sofort aus dem Spiel ausscheiden. Ihre Raketen sind nur dafür ausgelegt, Ziele außerhalb der Atmosphäre abzufangen, in der dichten Atmosphäre sind sie zu keinen komplexen Manövern in der Lage.

Die Patriot PAC-3 kann die Oreschnik-Sprengköpfe auch aus einem anderen Grund nicht treffen – ihre Raketen sind in der Atmosphäre zu langsam. Die Patriot in der Modifikation MIM-104F (PAC-3) ist nur in der Lage, Ziele mit einer Geschwindigkeit von nicht mehr als 1.600 Meter pro Sekunde und in einer Höhe von bis zu 40 Kilometern abzufangen. Während Oreschnik diese 40 Kilometer Höhe in einer Zeit von etwa zehn Sekunden mit einer Geschwindigkeit von mehr als 3.700 Meter pro Sekunde fliegt.

Schließlich ist noch eine weitere, bereits geostrategische Bedeutung der Oreschnik-Rakete zu erwähnen. Mit einer potenziellen Reichweite von mehr als 5.000 Kilometern ist Oreschnik in der Lage, von russischem Territorium aus Ziele in ganz Europa, einschließlich Portugal, Großbritannien und Skandinavien, sowie im Nahen Osten und Nordafrika zu treffen.

Im pazifischen Raum liegen nicht nur ganz Japan und Südkorea, sondern auch die US-amerikanischen Stützpunkte auf Guam und Okinawa in ihrer Reichweite. Und wenn sie von Tschukotka aus abgefeuert wird, kann die Rakete die gesamte Pazifikküste der USA bis nach Los Angeles erreichen.

Die einzige Möglichkeit, den Start der Oreschnik-Rakete zu verhindern, ist ein Präventivschlag auf die selbstfahrende Abschussrampe. Dazu müsste der Feind sie aber erst einmal in den russischen Weiten finden.

Gleichzeitig werden die Kosten für eine solche Mittelstreckenrakete viel niedriger sein als die einer Interkontinentalrakete, insbesondere in Bezug auf die gelieferte Tonne Gesamtgewicht. Und die Massenproduktion wird die Kosten für den Einsatz von Oreschnik-Raketen näher an die Kosten für operativ-taktische Raketen wie Kinschal und Iskander heranbringen.

Den Angaben zufolge verfügt Russland bereits über einen Vorrat an einsatzbereiten Systemen für Oreschnik. Wenn sie in Gruppen eingesetzt werden, wird der Schaden für den Feind mit dem einer Atomwaffe vergleichbar sein. Dies ist ein weiteres einzigartiges militärtechnisches Merkmal dieser Rakete, das bisher unvorstellbar war.

Mit der Oreschnik-Rakete erlangte Russland die Fähigkeit zur nuklearen Abschreckung mit nichtnuklearen Mitteln, was zuvor ebenfalls unvorstellbar war.

Vor Oreschnik gab es eine beeindruckende Kluft zwischen konventionellen und nuklearen Waffen, wo konventionelle Waffen nicht mehr helfen konnten und nukleare Waffen zu mächtig waren. Nun bedeutet der mögliche künftige Einsatz von Oreschnik-Raketen gegen die westlichen Verbündeten der NATO keinen sofortigen Übergang der bewaffneten Konfrontation zu einem globalen thermonuklearen Konflikt. Und das ist der Sinn jeglicher Abschreckung – den Feind durch die Androhung inakzeptabler Verluste auf der bestehenden Sprosse davon abzuhalten, auf der Eskalationsleiter noch weiter „nach oben zu steigen“.

Und ja, die Welt ist in diesem Szenario bereits de facto multipolar geworden, weil China, die Demokratische Volksrepublik Korea und Iran allem Anschein nach schneller als die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Analoga der Oreschnik-Rakete entwickeln werden. Genauso wie sie ihre manövrierfähigen Hyperschallwaffen vor den US-Amerikanern entwickelt haben. Die historische Bedeutung von Hyperschallwaffen, deren nächster Schritt der Perfektionierung Oreschnik war, werden wir erst viel später und postfaktisch in vollem Umfang begreifen. Die Hauptsache ist, dass Russland den ersten Schritt in diese Richtung getan hat.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 23. Dezember 2024 auf der Webseite der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Alexei Anpilogow ist ein russischer Autor.

US-Armee testet konventionelle Hyperschallrakete

https://de.rt.com/russland/230594-was-oreschnik-zu-grundlegend-neuen-waffenart/

Oreshniks Start erfolgt plötzlich und ist für Satelliten nicht erkennbar –
Die Reichweite des Oreshnik-Systems beträgt bis zu 5.500 Kilometer


MOSKAU, 19. Dezember. /TASS/. Der Start der neuesten ballistischen Mittelstreckenrakete Oreshnik erfolgt plötzlich und überrascht den Feind, da sie für Spionagesatelliten nicht erkennbar ist, sagte Militäranalyst Igor Korotchenko gegenüber TASS.

„Eine Besonderheit des Mittelstreckenraketensystems Oreshnik ist zunächst einmal eine sehr kurze Startphase – der Moment des Starts, in dem die Rakete gerade an Geschwindigkeit gewinnt und am anfälligsten für die Auswirkungen verschiedener Abfangsysteme ist“, sagte Korotchenko, Chefredakteur der Zeitschrift National Defense. „Der Start erfolgt von einer für den Feind unerwarteten Position aus. Oreshnik zeichnet sich durch hohe Mobilität aus. Er wird mit einem mobilen Bodenraketensystem gestartet. Es besteht keine Möglichkeit für die Satellitenaufklärung, seinen Standort zu einem bestimmten Zeitpunkt zu identifizieren, vorausgesetzt, es werden eine Reihe von wesentlichen Geheimhaltungs- und Tarnmaßnahmen getroffen“, sagte Korotchenko.

Dem Analysten zufolge geht die Rakete dann in den erdnahen Weltraum. Die Trennung der Kampfeinheiten erfolgt, während sie sich noch in der ballistischen Flugbahn befindet.

Jede Kampfeinheit führt den Angriff unabhängig aus. Außerdem führt sie ein Raketenabwehrmanöver durch. Jeder Sprengkopf ist mit einem eigenen Antriebssystem ausgestattet, sodass Abfangwaffen wie das strategische Raketenabwehrsystem der USA, das theoretisch versuchen könnte, Oreshnik abzufangen, keine Chance haben, den Abfangpunkt zu berechnen und den Sprengkopf zu neutralisieren. Dieses Mittelstreckensystem hat – wie Wladimir Putin sagte – eine Einsatzreichweite von 5.500 Kilometern: Seine Abschusszone wird sich in erster Linie auf die NATO-Mitgliedsländer in Europa erstrecken“, fügte der Analyst hinzu.

Am 21. November sagte Putin, die russischen Streitkräfte hätten die Oreschnik gegen eine Anlage des militärisch-industriellen Komplexes der Ukraine, das Werk Juschmasch in Dnepr, eingesetzt, als Reaktion auf Angriffe britischer und amerikanischer Raketen auf russische Militäranlagen in den Regionen Kursk und Brjansk. Er warnte vor schlimmen Folgen der provokativen Politik des Westens im Falle einer weiteren Eskalation des Konflikts.

https://tass.com/defense/1890451

Eskalation im Ukraine-Krieg, Trump-Wahl & Taurus-Debatte // Harald Kujat & Patrik Baab

https://www.youtube.com/watch?v=teYjg3tDnQg

Putin fordert die USA zu einem “Hightech-Duell” Oreshnik gegen THAAD auf

Florian Rötzer122 Kommentare

Putin fordert die USA zum “Hightech-Duell” Oreshnik versus THAAD auf. Bild: Kreml/CC BY-SA-4.0

Der russische Präsident Putin hat gestern bei seiner jährlichen vorweihnachtlichen Mammut-Frage-und-Antwort-Runde eine Wette zwischen russischen und amerikanischen Waffensystemen vorgeschlagen. Als Reaktion auf die Freigabe der weitreichenden westlichen Raketen wurde am 21. November zur Warnung mit einer Oreshnik (Haselnuss) mit sechs angeblich leeren Sprengköpfen eine Rüstungsfabrik in Dnipr angegriffen (Gefährliche Eskalationsspirale). Nach der Ukraine waren die Schäden minimal, nach Russland groß.

Vorsichtig sagte der Fernsehmann: „Man hat den Eindruck, dass sie wirklich keine Nachteile hat“, um hinzuzufügen, „aber der Westen bezeichnet Oreshnik weiterhin als eine Modifikation alter sowjetischer Waffen und behauptet, dass diese Rakete von der Luftabwehr bereits im Startstadium abgeschossen werden kann.“ In der Ukraine und im Westen wurde angenommen, dass es sich um eine weiter entwickelte Hyperschall-Mittelstreckrakete RS-26 “Rubezh”, wiederum eine Weiterentwicklung von RS-24 Yars bzw. Topol-M  gehandelt haben könnte.

Warum es wichtig sein sollte, ob die Oreshnik keine völlig neue, sondern aus früherer Technik entwickelte Rakete ist, soll wohl auch belegen, dass die Russen technisch nicht recht weiter kommen und letztlich noch die Sowjetunion nicht wirklich verlassen haben, während die Amerikaner bei Raketenabwehrsystemen überlegen sind. Im Mai 2023 haben ukrainische Truppen angeblich eine Hyperschall-Kurzstreckenrakete des Typs Kinshal abgeschossen, was von russischer Seite bestritten wurde. Einige Tage später am 24. Mai behauptete die Ukraine, sie habe sechs Kinshal abgeschossen, die Russen dagegen sagten, sie hätten gar nicht so viele der Raketen eingesetzt, aber eine habe ein Patriot-System zerstört. Die Ukraine/USA haben ein Interesse daran zu behaupten, dass Patriot-Systeme Kinshal abschießen oder nicht von diesen getroffen werden können, während Russland glauben machen, dass sie nicht abgeschossen werden und Patriot-Systeme zerstören können.

Ähnlich ist das bei Oreshnik-Raketen, die nach Putin mit sechs Nuklearsprengköpfen ausgerüstet und angeblich von allen existierenden Raketenabwehrsystemen nicht abgeschossen werden können.

Putin weist in der Folge auf einen interessanten Punkt hin. Die USA – und europäische Staaten wie Deutschland – haben der Ukraine Patriot-Systeme geliefert, aber nicht die neueren THAAD-Systeme, die man wohl vor einem russischen Zugriff sichern und deren Leistung man wahrscheinlich nicht in diesem Krieg mit einem technisch ebenbürtigen Gegner testen will. Putin behauptet, THAAD sei vergleichbar mit dem russischen S-400, wenn auch leicht unterlegen, während Patriot dem älteren Luftabwehrsystemen S-300 entspreche. Dazu gebe es das BMD-System, also das landgestützte Aegis-System, das nach dem amerikanischen Ausstieg aus dem ABM-Vertrag als Raketenabwehr in Rumänien und Polen installiert wurde und nach Putin die russische Entwicklung neuerer Raketen in Gang gesetzt hat. Das hat das Wettrüsten tatsächlich in Gang gesetzt.

Das Raketenabwehrsystem in Rumänien habe eine Reichweite von 300 km, das in Polen von 1000 km, Oreshnik von bis zu 5500 km (Der Militärjournalist Igor Korotchenko hat Tass die angeblichen Eigenschaften beschrieben). Wenn sie 2000 km entfernt von Polen gestartet würde, könnten sie während der kurzen Startphase nicht angegriffen werden, erklärt Putin überzeugt: „Sie sagen, dass die Raketen während der Startphase ziemlich verwundbar sind. Erstens wird nichts diese Raketenbasen erreichen, selbst wenn sie ungeschützt sind. Und natürlich schirmen wir sie ab. Nichts kann sie treffen. Es gibt keine Systeme, die diese Basen erreichen können.“ Darauf folgte dann sein Vorschlag eines „Hightech-Duells“:

„Wenn die von Ihnen erwähnten westlichen Experten anderer Meinung sind, sollten sie denjenigen im Westen und in den Vereinigten Staaten, die sie für ihre analytischen Dienste bezahlen, vorschlagen, ein gewisses technologisches Experiment durchzuführen, ein High-Tech-Duell des 21. Jahrhunderts. Lasst sie ein Ziel in Kiew auswählen, alle ihre Luftverteidigungs- und Raketenabwehrkräfte dort stationieren, und wir werden dieses Ziel mit einer Oreshnik-Rakete treffen. Wir werden sehen, was passiert. Wir sind bereit, dieses Experiment durchzuführen. Ist die andere Seite dazu bereit? Auf jeden Fall schließen wir das nicht aus.“

Natürlich ist das eine Herausforderung, die niemand annehmen wird. Putin wird damit auch nicht rechnen, obwohl er vielleicht schon auf Donald Trump setzt, der mitspielen könnte. Hat er damit einen Punkt gemacht? Jedenfalls scheint er beim ukrainischen Präsidenten Selenskij, der dringend mehr Luftabwehrsysteme zum Schutz der Umspannwerke fordert und unter Bedrängnis im Inneren und von außen steht, den Krieg zu beenden, einen Nerv getroffen zu haben.

Er gab Putins Duell-Aufforderung wieder und schloss an: „Glauben Sie, dass ein vernünftiger Mensch so etwas sagen würde? Das sind nur Verbrecher.“ Auf X präsentierte Selenskij durch einen Video-Ausschnitt Putins Vorschlag und brach bei dem Satz ab: „Das ist interessant.“ Er kommentierte: „Menschen sterben und er findet das ‚interessant‘ … Dumbass.“ Das kann man mit Depp, Blödmann, Trottel, Arschloch o.ä. übersetzen.

Putin droht Angriffe mit Hyperschallrakete auf “Entscheidungszentren in Kiew” an

Gefährliche Eskalationsspirale

Auf Videos waren mehrere Einschläge zu sehen.

Nach der Freigabe von ATACMS- und Storm Shadow-Raketen durch die amerikanische und britische Regierung hat die Ukraine zuerst am Dienstag mit ATACMS-Raketen ein Munitionslager in Bryansk beschossen und am Mittwoch mit Storm Shadow einen Kommandoposten in Kursk. Die Schäden waren danach aus russischer Sicht nicht sonderlich groß, aber eine Eskalation, die Moskau meinte, beantworten zu müssen.

Die Angriffe mit westlichen weitreichende Waffen auf Ziele in Russland sind mit dem Wissen ausgeführt worden, damit eine von Moskau gesetzte rote Linien zu überschreiten, die eine Antwort nach sich ziehen musste. Gerade hat der russische Präsident Putin die Nukleardoktrin erneuert, die nun erlaubt, auf einen Angriff auf russisches Territorium mit konventionellen Waffen, wenn dies in Kooperation mit einer Atommacht geschieht, mit Atomwaffen zu reagieren.

Putin sah sich offenbar genötigt, auf die Angriffe auch mit einer Fernsehansprache reagieren zu müssen. Er stand schon länger unter Kritik von einem Teil der russischen Gesellschaft, die die Zurückhaltung geißelten und dem Präsidenten Schwäche vorwarfen, nicht hart genug gegen die Überschreitung roter Linie vorzugehen. In seinem Statement stellt Putin fest, dass der Einsatz der weitreichenden Waffen ohne die Mithilfe von Experten der Herstellerländer, also hier von den USA und Großbritannien, nicht möglich wäre. Man habe wiederholt erklärt, dass solche Angriffe den regionalen Konflikt, der nach Putin vom Westen provoziert war, auf eine globale Ebene heben.

Putin betont, dass solche Angriffe den Kriegsverlauf nicht verändern und die russischen Truppen weiter vorrücken. Gerätselt wurde, ob der Kreml tatsächlich in Reaktion eine Atomwaffe einsetzen wird, womit aber niemand rechnete. In Kiew, Washington und London glaubte man, dass wie zuvor Russland keinen Atomkrieg entfesseln will und höchstens die Angriffe auf die Ukraine verstärkt werden. Es mag zwar das Recht auf Selbstverteidigung sein, auch mit weitreichenden Waffen in Russland zuzuschlagen, aber man musste einkalkulieren, dass letztlich nur die Ukraine leiden würde. In Washington wie in der Nato sieht man sich auf der sicheren Seite und geht davon aus, dass Moskau es nicht wagen wird, einen Nato-Staat zu attackieren.

Wladimir Putin bei seiner Fernsehansprache. Bild: Kreml

Putin wählte einen Zwischenweg. Er ließ eine neue Hyperschall-Mittelstreckenrakete  – zuerst ging die Vermutung um, es sei eine Interkontinentalrakete – aus der Region Astrachan über eine Entfernung von 800 km gegen eine große ukrainische Waffenschmiede, in der Raketen hergestellt werden,  in der Stadt Dnipr abfeuern. Dazu wurden weitere Raketen abgefeuert. Die Mittelstreckenrakete, wäre nach dem von den USA aufgekündigten INF-Abkommen verboten gewesen, betonte Putin. Der Angriff zeigte, dass Russland die Mittel hat, auch Ziele in großer Entfernung zu treffen, also auch in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Die Rakete kann mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden und sie fliegt mit Mach 10 so schnell, dass sie angeblich von der Luftabwehr nicht abgeschossen werden können. Der Kreml zeigt also, was der Nato drohen könnte. Putin:

„Als Reaktion auf die Stationierung amerikanischer und britischer Langstreckenwaffen führten die russischen Streitkräfte am 21. November einen kombinierten Angriff auf eine Anlage im ukrainischen Verteidigungsindustriekomplex durch. Unter Feldbedingungen testeten wir auch eines der neuesten russischen Mittelstreckenraketensysteme – in diesem Fall mit einer nichtnuklearen ballistischen Hyperschallrakete, die unsere Ingenieure Oreshnik nannten. Die Tests verliefen erfolgreich, so dass das angestrebte Ziel des Starts erreicht wurde. In der ukrainischen Stadt Dnepropetrowsk wurde einer der größten und bekanntesten Industriekomplexe aus der Zeit der Sowjetunion getroffen, in dem weiterhin Raketen und andere Rüstungsgüter hergestellt werden.“

Das Pentagon war kurz vorher vorgewarnt worden. Putin erklärte, wenn Oreshnik-Raketen wieder gegen die Ukraine eingesetzt werden, würde man das vorher ankündigen, um Zivilisten zu schonen. Ansonsten geht die Demonstration mit einer Androhung an die Unterstützerländer einher:

„Wir werden die Ziele bei weiteren Tests unserer fortgeschrittenen Raketensysteme auf der Grundlage der Bedrohungen für die Sicherheit der Russischen Föderation bestimmen. Wir halten uns für berechtigt, unsere Waffen gegen Militäreinrichtungen derjenigen Länder einzusetzen, die es zulassen, ihre Waffen gegen unsere Einrichtungen einzusetzen, und im Falle einer Eskalation aggressiver Handlungen werden wir entschlossen und spiegelbildlich reagieren. Ich empfehle den herrschenden Eliten der Länder, die Pläne für den Einsatz ihrer Militärkontingente gegen Russland ausbrüten, dies ernsthaft in Erwägung zu ziehen.“

Zu den Zielen gehört nach Maria Sacharowa der amerikanische, der Nato unterstellte Raketenstützpunkt in Polen. Natürlich würde auch der geplante amerikanische Raketenstützpunkt in Deutschland zu einem möglichen Ziel werden.

Die Biden-Regierung tritt offenbar in eine Eskalationsspirale ein. Jetzt werden auch verpönte Antipersonenminen an die Ukraine geliefert. Welchen Zweck das haben soll, ist schleierhaft. Soll der Trump-Plan vereitelt werden, schnell zu einem Waffenstillstand zu kommen, indem die USA weiter in den Krieg hineingezogen werden? Kaum realistisch ist, dass die Angriffe mit den wenigen ATACMS- und Storm Shadow-Raketen die russischen Streitkräfte entscheidend schwächen könnten. Man hat den Eindruck, es ist eine verzweifelte Aktion von Biden, nicht als Verlierer aus dem Weißen Haus zu gehen und lieber eine gefährliche Eskalation zu riskieren, als Verhandlungen mit Moskau über ein Ende des Kriegs zu beginnen. Austragen müssen dies die Ukrainer, möglicherweise die Europäer, in Washington kann man sich noch sicher fühlen. Nach Umfragen befürworten immer mehr Ukrainer Verhandlungen und auch Verzicht auf Territorien.

https://overton-magazin.de/top-story/gefaehrliche-eskalationsspirale/

US-Raketenabwehrbasis in Polen seit langem unter den Zielen der russischen Armee

Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Zakharova erklärte, dass das US-NATO-Bauprojekt, das seit fast einem Jahrzehnt unter völliger Missachtung russischer Sicherheitsbedenken läuft, ständig im Fokus der russischen Aufmerksamkeit steht

MOSKAU, 21. November. /TASS/. Die US-Raketenabwehrbasis in Polen gilt seit langem als vorrangiges Ziel für eine mögliche Neutralisierung durch die russischen Streitkräfte, erklärte Außenministeriumssprecherin Maria Zakharova .

„Angesichts der Bedrohungslage, die von solchen westlichen Militäreinrichtungen ausgeht, zählt die Raketenabwehrbasis in Polen seit langem zu den vorrangigen Zielen für eine mögliche Neutralisierung. Falls erforderlich, kann dies mit einer breiten Palette moderner Waffen erreicht werden“, sagte die Diplomatin.

Zakharova erklärte, dass das US-NATO-Bauprojekt, das seit fast einem Jahrzehnt unter völliger Missachtung russischer Sicherheitsbedenken läuft, ständig im Fokus der russischen Aufmerksamkeit stehe. Sie betonte, dass Russland diese Jahre damit verbracht habe, Gegenmaßnahmen vorzubereiten.

Zakharova bezeichnete die Errichtung einer solchen Basis als einen weiteren offenkundig provokativen Schritt und nannte ihn Teil einer „Reihe zutiefst destabilisierender Aktionen der Amerikaner und ihrer nordatlantischen Verbündeten im strategischen Bereich“.

Dieser Schritt steht im Einklang mit der langjährigen und destruktiven Praxis, die militärische Infrastruktur der NATO näher an die Grenzen Russlands heranzurücken“, erklärte die Sprecherin. „Solche Aktionen untergraben die strategische Stabilität. In Verbindung mit anderen schädlichen militärpolitischen und militärtechnischen Maßnahmen, die darauf abzielen, die Macht der USA Tausende von Kilometern von ihrem eigenen Territorium entfernt zu demonstrieren, um Druck auf Russland und andere Atommächte auszuüben, erhöht dies unweigerlich die strategischen Risiken und folglich das allgemeine Niveau der nuklearen Gefahr“, fügte Zakharova hinzu.

Der Raketenabwehrkomplex in Polen


Der Bau der Raketenabwehranlage in Redzikow begann 2016, wobei die Kosten für die USA laut offenen Quellen 850 Millionen Dollar betragen sollen. Die Anlage wurde im Dezember 2023 in Betrieb genommen und anschließend an die NATO übergeben. Nach dem Gipfel in Washington im Juli 2024 gab das Bündnis die volle Einsatzbereitschaft des Aegis-Ashore-Komplexes in Polen bekannt.

Die Aegis-Ashore-Anlage in Redzikow ist Teil des EPAA-Programms (European Phased Adaptive Approach) zur schrittweisen Stationierung von Raketenabwehrsystemen in Europa. Zum Rahmen gehören auch mit Aegis-Radar ausgestattete Schiffe mit Sitz in Rota, Spanien, eine AN/TPY-2-Radarstation in der Türkei (seit 2011 in Alarmbereitschaft) und eine weitere Aegis-Ashore-Anlage auf der Deveslu-Basis in Rumänien.

https://tass.com/politics/1875589

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