Strategische Rivalität USA-China unvermeidlich?
„Hinwendung zu den Binnenmärkten“
Chinas Wirtschaft – Werkbank der Welt
Trotz aller Bemühungen, Chinas Fortschritte zu behindern, hat das Land mit dem Westen gleichgezogen. Trumps Zölle sind der verzweifelte Versuch, eine Entwicklung aufzuhalten, die man selbst angestoßen und von der man lange profitiert hatte: die Verlagerung der US-Industrie nach China.

Von Rüdiger Rauls
Schwierige Informationslage
Wie es um China wirklich aussieht, ist für westliche Beobachter schwer nachzuvollziehen. Viele Berichterstatter ersaufen in Informationen, wissen aber oft selbst nicht, worauf es ankommt. So werden auch die Konsumenten von Nachrichten mit Daten und Informationen überschüttet. Aber was ist wichtig, um die chinesischen Zustände und Entwicklungen zu verstehen?
Wie es um die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse tatsächlich aussieht, wird dann oftmals nur anhand von politischen Entscheidungen deutlich wie die Sanktionen gegen chinesische Unternehmen (Huawei, China Mobile oder auch Tiktok) oder nun Trumps Zollorgie. Manchmal werfen Meldungen überraschende Schlaglichter auf Chinas Wirtschaft und Entwicklung, wie die jüngste Nachricht über die chinesische KI-Software deep seek. Ein bisher weitgehend unbekanntes Start-up brachte ein System auf den Markt, das in seiner Qualität führender amerikanischer KI-Software in nichts nachsteht, aber mit einem Bruchteil an Kosten und Zeit hätte entwickelt werden können.

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Ähnliche Erfolge konnten chinesische Unternehmen wie Huawei bei der Entwicklung moderner Chips erzielen. Nicht nur die Informationen sind oftmals verwirrend, die Deutungen sind es noch mehr. Denn wir erfahren wenig über das Denken und die Sichtweisen der Chinesen selbst, sondern nur das, was die westlichen Medien uns darüber sagen. Diese Beeinflussung der öffentlichen Meinung zeigt Wirkung. Dennoch können die Tatsachen nur schwer übersehen werden: Trotz aller Einschränkungen und Behinderungen konnte der Aufstieg der chinesischen Wirtschaft nicht aufgehalten werden.
Heute ist das Land der führende Warenproduzent der Welt und hat besonders in modernen Technologien wie der alternativen Energiegewinnung, Batterietechnik, Kommunikationstechnologie, Elektrofahrzeuge und anderen dem Westen den Rang abgelaufen. China hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einem rückständigen, verarmten Land der Dritten Welt zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht entwickelt, und all das unter der Führung einer kommunistischen Partei. Das läuft allem Denken und aller Propaganda zuwider, die über den Sozialismus verbreitet wurden. Der Konflikt mit China ist somit nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein politischer.
Auferstanden aus Ruinen
Wie im russischen Zarenreich nach dem Ersten Weltkrieg, so übernahmen die Kommunisten auch in China nach dem Zweiten Weltkrieg ein verwüstetes und in seiner Entwicklung rückständiges Land. Die kommunistischen Parteien waren die einzige politische Kraft, die nicht durch ihre Politik vor und während dieser Kriege bei der eigenen Bevölkerung in Misskredit geraten war. In Russland hatten sie nicht die Politik des Zaren unterstützt und nach dessen Entmachtung auch nicht die Fortsetzung des Krieges. In China hatten sie von Anfang an und unter hohen Opfern den Kampf gegen die japanischen Besatzer geführt. Nach ihren Siegen konnten sie den Menschen eine Perspektive anbieten für den Aufbau ihrer Länder, und der Sozialismus entsprach dabei den Vorstellungen vieler von einer gerechteren Welt.
Aber auch der weltweite Kapitalismus war durch die Kriege und die Niederlagen führender Mächte wie Deutschland und Japan geschwächt. So hatten die kapitalistischen Staaten den Sieg der Revolutionen in Russland und China nicht verhindern können. Und mit dem Vordringen des Sozialismus bis zur Adria und zur Elbe waren große Teile Europas ihrem Einfluss entzogen. Dennoch hatten sie bis weit in die 1970er-Jahre nie den Versuch aufgegeben, den Sozialismus militärisch zu besiegen. Diese Strategie wurde erst aufgegeben mit den Niederlagen der USA in Südostasien.

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In dieser Zeit und als Folge dieser Erkenntnis kam es zu einer Annäherung der USA an China. Man wollte die Unstimmigkeiten zwischen der Sowjetunion und China zum eigenen Vorteil nutzen und einen Keil zwischen die beiden sozialistischen Staaten treiben. Peking öffnete sich dem westlichen Kapital, um die eigene wirtschaftliche Rückständigkeit zu überwinden. Wenn Trump heute seine Zölle damit begründet, dass China die USA ausgenutzt und unfair behandelt habe, dann scheint ihm in seiner sehr eingeschränkten Sichtweise nicht bewusst zu sein, dass dieser Prozess von den USA ausgegangen und allein zum Vorteil der USA gedacht war.
Niemand hat westliche Unternehmen gezwungen, in China zu investieren, am wenigsten die Chinesen selbst. Aber China war ein zu verlockendes Geschäft. Denn die Arbeitskraft war dort billig, gut ausgebildet und arbeitswillig. In der Anfangszeit fanden ganze Produktionsverlagerungen von westlichen Unternehmen nach China statt. Teilweise wurden sogar Produktionsstätten im Westen abgebaut und in China wieder aufgestellt. Besonders in der Stahlindustrie vollzog sich diese Entwicklung, weil in China bereits eine Stahlproduktion, wenn auch auf sehr rückständigem Niveau, vorhanden war. Man konnte also auf entsprechende Rohstoffe, Logistik und Arbeitskräfte zurückgreifen.
Es war nicht China, das den amerikanischen Arbeitern die Arbeitsplätze geklaut hat, wie Trump und auch viele seiner Vorgänger es darstellen. Es waren die amerikanischen Unternehmer selbst, die Hochöfen abbauten, um sie in China wieder aufzustellen. Sie vernichteten die Arbeitsplätze der Stahlarbeiter in den USA. Die westlichen Unternehmen wollten die eigenen Produktionsbedingungen verbessern. Man produzierte billig in China und exportierte die dort hergestellten Waren in erster Linie auf die Märkte des Westens.
Kapitalflucht nach China
Der chinesische Markt selbst war für westliche Unternehmen anfangs nicht so bedeutend, denn er war zu jener Zeit noch kaum entwickelt. Die Einkommen waren niedrig, die Vermögen gering. Hier sollte billig produziert werden, um durch den Verkauf auf den westlichen Märkten die Gewinne zu vergrößern. China war für die westlichen Unternehmen die billige Werkbank. Das hätte für sie auch so bleiben können, denn das System funktionierte bestens. Dass sich daneben auch der chinesische Markt allmählich entwickelte, war eine angenehme Begleiterscheinung, die aber so nicht beabsichtigt war, jedenfalls nicht von den westlichen Investoren.

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Denen ging es um Profitmaximierung. Das haben westliche Politiker heute anscheinend schon vergessen. Der westliche Kapitalexport nach China war nichts anderes als eine Kapitalflucht, die die westlichen Regierungen selbst eingefädelt und ermöglicht haben. Kapital wird nur dann exportiert und im Ausland angelegt, wenn seine Verwertungsbedingungen im eigenen Land schlechter sind als im Zielland. Die Märkte in den führenden Industriestaaten waren nach dem Aufschwung der Nachkriegszeit in den 1970er-Jahren weitgehend gesättigt.
Die damalige Marktsättigung war überschrieben mit dem Begriff „Stagflation“. Die Produktion wuchs kaum noch, im Gegensatz zu den Zinsen auf das Kapital, das für die Produktion eingesetzt werden musste. Obwohl die Preise für die Verbraucher immer weiter anstiegen, warf die Wirtschaft immer weniger Gewinn ab. Sie begann, in der Inflation zu versinken. In dieser Situation war China der Ausweg. Anfängliche Bedenken von Unternehmern, in einem sozialistischen Land das eigene Kapital Kommunisten anzuvertrauen, konnte die chinesische Regierung durch Investitionsschutzabkommen aus dem Weg räumen.
Ihr ging es nicht um die Bereicherung an westlichem Kapital sondern in erster Linie um die Entwicklung der eigenen Wirtschaft. Als kommunistischer Partei war ihr klar, dass es die Arbeiter sind, die die Werte in der Produktion schaffen. Je höher deren technische und organisatorische Fähigkeiten entwickelt werden konnten, umso größer war die Wertschöpfung in der Produktion und damit der Vorteil für die Gesellschaft und den Staat. Das war ein anderes Denken als im Westen, wo man den Beitrag der Arbeiter zur Produktion als weniger bedeutend ansieht als den von Kapital und Unternehmern.
Deshalb erlaubte die chinesische Regierung auch die weitgehende Rückführung der Gewinne der westlichen Unternehmen an die Konzernzentralen im Ausland. China profitierte auf andere Weise von den westlichen Investitionen. Das eingesetzte Kapital beschleunigte den Ausbau der Produktion und damit die Entwicklung des Landes. Damit aber Wirtschaft und Lebensstandard der Menschen nachhaltig wachsen konnten, bestand die chinesische Regierung nicht nur auf die Teilhabe an den Gewinnen, sondern vor allem auch an der Vermittlung von technischem Wissen, das die westlichen Unternehmen mitbrachten, aber auch in China selbst entwickelten.
Werkbank der Welt
Die Öffnung für westliches Kapital war für die chinesische Führung ein großes Risiko, brach sie doch ideologisch mit dem langjährigen Kampf gegen Imperialismus und Kapitalismus zugunsten der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung. Um das Risiko gering zu halten, dass die gesellschaftlichen Auswirkungen unbeherrschbar werden könnten, wurden zu Beginn der Zusammenarbeit mit dem Westen Sonderwirtschaftszonen eingerichtet, in denen das neue Modell im Laborversuch getestet wurde.

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In einem weiteren Schritt wurden zwischen westlichen und chinesischen Unternehmen Gemeinschaftsunternehmen in Form von Joint Ventures geschaffen. Das westliche Unternehmen brachte Kapital und Wissen ein, das chinesische die Arbeitskräfte sowie den Zugang zum Markt und die Einbindung in die Gesellschaft. Besonders in der Autoindustrie kam dieses Modell zur Anwendung. Die Industriezweige der chinesischen Wirtschaft sollten nicht allein von westlichen Unternehmen kontrolliert werden, wie es in vielen Staaten der Dritten Welt damals der Fall war. Darin hätte eine Gefahr für die Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit der chinesischen Regierung bestanden. Durch die Joint Ventures war der gewünschte Technologietransfer von westlichem Wissen an chinesisches Personal sichergestellt und auch die geistige Teilhabe der Chinesen an neuen Entwicklungen garantiert. Es war nicht mehr alleiniges Eigentum der westlichen Besitzer und Kapitalgeber, wie sonst im Westen üblich.
Schon bald wuchs die Produktion in China so stark, dass chinesische Erzeugnisse immer stärker auf die Märkte der Welt drängten. Doch handelte es sich in der Anfangszeit dieser Entwicklung in erster Linie um die Produkte westlicher Unternehmen, die in China hergestellt worden waren. Der von Trump beklagte Schaden für die amerikanischen Arbeiter war von amerikanischen Unternehmern selbst verursacht worden.
Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung auf dem Weltmarkt und dem wachsenden chinesischen Wohlstand fand auch ein Wandel in der Produktion statt. Die Chinesen hatten in den westlichen Unternehmen viel gelernt, und dieses Wissen begannen sie zunehmend weiterzuentwickeln und für sich selbst zu nutzen. Immer mehr chinesische Produkte gehen inzwischen auf chinesische Urheberschaft und Entwicklung zurück.
Das war das Ergebnis der Wirtschaftspolitik der chinesischen Regierung, die auf einer Teilhabe an den geistigen Errungenschaften der Produktion bestanden hatte. Um die Jahrtausendwende war China zur Werkbank der Welt geworden. Aber es war immer mehr die eigene Werkbank, an der die Chinesen nun arbeiteten, und immer weniger die der westlichen Unternehmen und Investoren.
Mehr zum Thema – Schwerer Schlag für die chinesische Wirtschaft: Trumps Zölle treffen Kern der Handelsstrategie
Rüdiger Rauls ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog Politische Analyse.

https://rumble.com/v6rv24l-sie-kssen-mir-den-arsch-trump-feiert-seine-zollpolitik-china-schlgt-zurck.html
https://de.rt.com/wirtschaft/241997-chinas-wirtschaft-werkbank-welt/
Sorry: Trumps Reparaturversuche kommen zu spaet
„Tag der Befreiung“

„Globalisierung zähmen und ihre Früchte ernten“
„Wirtschaftswachstum um jeden Preis ist das Glaubensbekenntnis der angloamerikanischen Neoliberalen, denn nur so gedeihen und blühen die Geschäfte. Der Preis, den sie dafür zahlen, wird allerdings immer höher und läßt sich ablesen an den roten Zahlen des US-Handelsdefizit, am Defizit der Leistungsbilanz und an der Höhe des Haushaltsdefizits der amerikanischen Regierung.
Das US-Handelsdefizit wuchs, weil die USA weiterhin mehr aus dem Ausland importieren, als sie dorthin exportieren.
Das Leistungsbilanzdefizit der USA wuchs von Jahr zu Jahr, weil sich die Amerikaner das Geld liehen, das sie für ihren Konsum ausgaben und selbst gar nicht besaßen. Sie lebten weit über ihre Verhältnisse.
Das US-Haushaltsdefizit wuchs, weil die US-Regierung sich immer mehr Geld leiht, um die Staatsausgaben und den Konsum zu finanzieren, der ihnen hilf/halft, ihre vom Konsum getriebene „Wachstumslokomotive“ am Laufen zu halten.“

„Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft …
Fruehe Blicke in die Zukunft und Warnungen seit 2007 abgewuergt
2007: „Globalisierung zähmen und die Früchte ernten.“
An diverse Deutsche Verlage
Brennende Fragen der Globalisierung
Die Globalisierung managen
Franz-Bernhard Nolte – YouTube
Franz Bernhard Nolte – Facebook – falscherealitaet.com
2007: „Da bleibt dann nur das Internet. Alles andere ist zu teuer oder …
James Bond als Bodyguard für Selenskij – Was treiben die Briten in Kiew?
10 Apr. 2025 12:58 Uhr
Eine Sicherheitsfirma, die mit britischen Militärs und Geheimdiensten verbunden ist, stellt Leibwächter für Spitzenbeamte in Kiew zur Verfügung, darunter für Wladimir Selenskij, lautet ein RT-Bericht. Seit den 1990er Jahren baut die Firma ihre Präsenz in der Ukraine aus.

Nach Angaben von RT wird Wladimir Selenskij von Mitarbeitern eines britisch-amerikanischen Sicherheitsunternehmens geschützt, das mit dem britischen Militär und Geheimdiensten verbunden ist – der Group 4 Securitas (G4S). Die Mitarbeiter der Firma waren bereits seit Anfang der 1990er Jahre als Privatdetektive und Sicherheitsspezialisten in der Ukraine präsent. Im Laufe der 30 Jahre erlangten sie den Zugang zu strategischen Objekten des Landes, und zwar zu Häfen, Flughäfen und Produktionsstätten. G4S verfügt über einen eigenen Geheimdienst und ist an Sabotageakten auf der Krim beteiligt. Die ukrainischen Regierungseinrichtungen stehen unter der Kontrolle der Firma. Das Unternehmen ist für die Sicherheit von EU-Vertretungen und Wladimir Selenskij zuständig und betreibt sogar private Gefängnisse. Die Briten gelten als Elite in der globalen Geheimdienstgemeinschaft, ziehen es aber vor, verdeckt zu agieren, und überlassen die aktive Rolle den US-Amerikanern, sagen Militärexperten.

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RT beschreibt Group 4 Securitas (G4S) als eines der ältesten privaten Militärunternehmen der Welt, das seit mehr als 100 Jahren existiert. Der Hauptsitz befindet sich in der Queen Victoria Street im Herzen der City of London. In der Ukraine etablierte das Unternehmen eine Niederlassung im Jahr 1992 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und verwickelte das Land allmählich in ein Netz seiner Organisationen. Die erste davon, „Group 4 Securitas Ltd Odessa“, wurde im März 1995 im Gebäude der Stadtverwaltung von Odessa am Duma-Platz im historischen Zentrum der Stadt registriert.
1996 wurde auf dem Stepan-Bandera-Prospekt in Kiew ein ukrainisch-niederländisches Gemeinschaftsunternehmen, die Group 4 Securitas Ltd, gegründet. Eine Zweigstelle des Unternehmens mit Sitz in Amsterdam wurde vollständiger Eigentümer der Aktien im Wert von 4,9 Millionen Griwna.
Die ersten G4S-Niederlassungen in der Ukraine waren im Bereich Ermittlungen und Sicherheit tätig. Im Jahr 2020 stellte die Group 4 Securitas Ltd Odessa durch einen Gerichtsbeschluss ihre Tätigkeit ein. Die Schließung steht zwar nicht im Zusammenhang mit der Insolvenz, es werden aber keine Einzelheiten über die Gründe genannt.
Mit dem Beginn des Ukraine-Konflikts erweiterte G4S seine Präsenz im Land. Im Jahr 2023 registrierte das Unternehmen neue Organisationen in Kiew: G4S Ordnance Management und G4S Risk Management Ukraine. Heute hat die ukrainische Niederlassung des Unternehmens etwa tausend Mitarbeiter. Industrieunternehmen und sogar strategische Staatseinrichtungen wie Häfen, Terminals und Flughäfen stehen unter dem Schutz des Unternehmens.
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G4S verdient auch mit der Entminung von Schlachtfeldern und der Handhabung von Munition, einschließlich der Maßnahmen gegen improvisierte Sprengsätze. Unter anderem bietet das Unternehmen „Schutztrupps“ an, die Kunden in den vom militärischen Konflikt betroffenen Gebieten „sicher und zuverlässig bewegen“ sollen.
Laut einigen Berichten verfügt G4S über private Gefängnisse in der Ukraine, in welche die für die Kiewer Behörden unerwünschten Personen einfach gebracht werden können. RT zitiert hierbei den Militärexperten Alexander Artamonow:
„Es ist bekannt, dass sich private CIA-Gefängnisse in Polen befinden. Wir können davon ausgehen, dass es solche Haftanstalten auch in der Ukraine gibt.“
„G4S ist aktiv in den Schutz von Regierungseinrichtungen in der Ukraine eingebunden. Vor allem sind sie an der Sicherheit von Wladimir Selenskij beteiligt, und das machen sie direkt. Seine Wachen bestehen aus Personal von G4S.“
Auf der Webseite des Unternehmens steht tatsächlich, dass es Dienstleistungen für die Präsidentengarde, die Stadtverwaltung von Kiew, die EU-Missionen und die OSZE-Mission erbringt.
Eine Abteilung der britischen Spezialeinheiten
Diese Sherlock Holmes und James Bonds sind nur auf dem Papier privat. Militärexperte Alexander Artamonow definiert G4S als eine Zweigstelle der SAS, einer Spezialeinheit der britischen Streitkräfte. Ihm zufolge wird die gleiche Rolle von einem anderen britischen Militärunternehmen, Prevail Partners, erfüllt:
„Nachdem eine Person aus dem aktiven Militärdienst ausgeschieden ist, geht sie einfach zu einem Militärunternehmen. Man scheidet recht früh aus dem aktiven Dienst aus. Deshalb gibt es einen ständigen Live-Kontakt, eine Übertragung von einer Sache in die andere.“
Wenn Operationen scheitern, können die Behörden die Militärunternehmen vom Rüstungs- und Sicherheitsbereich abkoppeln und die Verantwortung auf Söldner abwälzen, fügt der Militärexperte hinzu:
„Die Angelsachsen haben damit als Erste begonnen.“
Artamonow zufolge verließ sich das Vereinigte Königreich traditionell eher auf Söldner als auf eine reguläre Armee. Dies sieht er unter anderem damit verbunden, dass die britische G4S je nach Personalstärke größer ist als eine der bekanntesten privaten US-Militärfirmen, Black Water (Academy), die bis zu 30.000 Mann hat. G4S übertrifft auch die britische Armee, die Stand 1. Januar 2025 108.413 Personen umfasst, wohingegen G4S 800.000 Mitarbeiter vorweisen kann.

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Der Militärexperte ist der Ansicht, dass die Strukturen von G4S direkt an militärischen Operationen aufseiten der ukrainischen Streitkräfte beteiligt sind. Erstens befasst sich das Unternehmen mit der Schulung und Ausbildung des Kontingents der ukrainischen Spezialeinsatzkräfte und kooperiert mit einer anderen britischen Militärfirma, Prevail Partners, bei der Organisation der Verteidigung Odessas im Rahmen einer Vereinbarung mit der regionalen Direktion des Sicherheitsdienstes der Ukraine.
Mitarbeiter von Prevail sammeln für die ukrainischen Sicherheitsdienste nachrichtendienstliche Informationen wie personenbezogene Daten ausländischer und russischer Bürger sowie von Soldaten der russischen Streitkräfte, die an der militärischen Sonderoperation teilnehmen. Das russische Außenministerium bestätigte, dass der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens wiederholt Kiew besuchte, um die Vorbereitung von Sabotage- und Aufklärungsgruppen und ihre Entsendung in die Kampfzone zu koordinieren.
Prevail bereitet gemeinsam mit G4S Sabotageakte an der Krimküste vor, betont Artamonow. Prevail liefert Kurzstrecken-Küstenschiffe, die an der Küste entlangfahren, während G4S Söldner schickt, die an der Krimküste landen. Artamonow ist überzeugt, dass sich Prevail auf gewaltsame Aktionen spezialisiert:
„Ihr Ziel ist es, Terror zu säen, Stromleitungen zu sprengen und die Bevölkerung auf andere Art und Weise einzuschüchtern. Das haben sie schon vor einem Jahr versucht und tun es wahrscheinlich auch jetzt. Es handelt sich um eine rein britische Initiative, die mit den Aufgaben und Zielen von Richard Moore, dem Leiter des MI6, übereinstimmt.“

Ein unternehmungslustiger Friedensstifter
Der Leiter der meisten mit G4S verbundenen Organisationen, die in Kiew, dem Hauptstadtvorort Sofijewskaja Borschtschagowka und Odessa registriert sind, ist Oberst Juri Koslenko, ehemaliger stellvertretender Abteilungsleiter im ukrainischen Innenministerium, wo er von 1993 bis 2005 tätig war.
Er genießt jedoch eine lange und enge Verbindung zu westlichen Militärs und Geheimdiensten. Im Dezember 1997 wurde Koslenko zum Kommandeur des ukrainischen Kontingents der UN-Polizei in Bosnien und Herzegowina ernannt. Das Gesamtkontingent der UN-Friedenstruppen in der Region umfasste insgesamt 2.057 Personen. Die UN-Polizei sollte die Tätigkeit der lokalen Polizei und Justiz kontrollieren, das Personal der lokalen Sicherheitsdienste ausbilden und bei Bedarf deren Aufgaben übernehmen.

Koslenko blieb bis März 1999 für das polizeiliche Friedenskontingent in Bosnien und Herzegowina zuständig. Im Folgejahr wurde seine Einheit in die ehemalige portugiesische Kolonie, den Inselstaat, Osttimor entsandt, in das die UNO nach dem Ende eines Krieges ihr Polizeikontingent entsandt hatte. Offenbar knüpfte Koslenko während der Friedensmissionen Kontakte zu hochrangigen Managern des Sicherheitsunternehmens G4S, die ihm nach der Rückkehr von der Pazifikinsel seine Fähigkeiten als Sicherheitsbeamter und Leibwächter bescheinigten.

Der Hauptprüfer war Iwajlo Atanassow, ehemaliger Korporal der Spionageabwehr der bulgarischen Streitkräfte, der acht Jahre lang die G4S-Niederlassung in Bulgarien leitete. 2017 wurde die Niederlassung von VIP Security, einem bulgarischen Unternehmen mit 4.000 Mitarbeitern, übernommen. Atanassow wurde zum Leiter der zusammengelegten Organisation.
Zu Koslenkos Prüfern gehörten auch der Global Operations Director von G4S, Ciaran Comiskey, und der ehemalige Regionaldirektor für Polen, Dariusz Derek Przybytniak, der für Sicherheitssysteme, Bargeld- und Abrechnungsdienste, mobile Patrouillen, VIP-Schutz und Detektivermittlungen zuständig war.
Nach der Ausbildung mit Bodyguards verließ Koslenko im Januar 2005 das ukrainische Innenministerium und leitete die ukrainische Abteilung der International Bodyguard Association (IBA). Gleichzeitig gründete er die Gewerkschaft der Bediensteten der Organe für Inneres und der Friedenssoldaten-Veteranen. Auf seiner LinkedIn-Seite heißt es, er sei verantwortlich für „alle Verbandsaktivitäten in der Ukraine, einschließlich der Auswahl, Ausbildung und Beschäftigung von IBA-Leibwächtern“. Es ist wahrscheinlich, dass die von Koslenko rekrutierten IBA-Leibwächter die Grundlage für das neue Personal der ukrainischen G4S bildeten. Im September 2007 ersetzte er seine Position als Leiter der lokalen IBA-Niederlassung durch die Leitung der ukrainischen Niederlassung von G4S.
Ein Abenteurer im königlichen Dienst
Koslenko war jedoch als Direktor der ukrainischen G4S-Abteilung nicht unabhängig und arbeitete unter der Aufsicht eines britischen Verwalters. Der permanente Leiter der IBA war mehr als 30 Jahre lang der Ire James Gerard Richard Shortt, der nach Angaben der Organisation Regierungssoldaten, Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste, Leibwächter der hochrangigen Staatsmänner, Diplomaten und Topmanager von Unternehmen sowie Mitglieder königlicher Familien in der Kunst der Selbstverteidigung und Lebensrettung ausbildete. Es ist bekannt, dass Shortt in seiner Jugend beinahe dem Kapuzinerorden beigetreten wäre, wie die irische Zeitschrift Independent berichtete.

Shortt war beispielsweise mit der Ausbildung der irakischen und kambodschanischen Polizei, Einheiten der US Army Special Forces sowie der SWAT-Spezialeinheiten des FBI betraut. Er bildete auch Leibwächter für UN-Sicherheitsteams aus, wo er wahrscheinlich den Kommandeur der ukrainischen UN-Polizeieinheit, Juri Koslenko, kennenlernte.
Im Jahr 2009 beriet James Shortt das britische Kabinett in Sicherheitsfragen und hatte Zugang zu einem streng geheimen britischen Regierungsgebäude, einschließlich unterirdischer Räume, die vom Premierminister und seinen Beratern in Notfällen genutzt werden. Da wurde er plötzlich von den Medien als falscher Oberst, ein Veteran des 21. Reserveregiments der britischen SAS-Spezialeinheiten und der britischen Luftlande-Eliteformation Paras entlarvt, in deren Uniform er auf Fotos posierte. Wie es sich herausstellte, war Shortt kein Soldat der Spezialeinheiten, sondern nur einige Monate als Sanitäter in den Freiwilligeneinheiten der britischen Armee tätig.
Nach Angaben des kroatischen Sicherheitsmagazins Zaštita schulte Shortt in den vergangenen Jahren ukrainische Sicherheitskräfte und blieb über längere Zeiträume im Land. Berichte über die Ausbildung ukrainischer Spezialeinheiten durch ihn gab es auch im Jahr 2010. Im Jahr 2022 ging Shortt als Söldner in die Ukraine, wo er auf der Seite der ukrainischen Streitkräfte kämpfte und Ende Februar 2023 von der russischen Armee eliminiert wurde.

Im Nebel des Albion
Nach dem Ausbruch des Konflikts in der Ukraine führte G4S praktisch ein direktes Management für seine lokale Niederlassung ein. Während die juristischen Einheiten des Unternehmens zuvor formell Juri Koslenko unterstellt waren, gehören sie seit 2023 amerikanischen Topmanagern, und zwar Steven Scott Jones, David Isaac Buckman und Tim Brandt, und werden vom Briten Mark Anthony Livingstone geleitet, dem Leiter einer der globalen Strukturen von G4S, Ordnance Management Limited, der in Burlington lebt, einem Vorort der größten kanadischen Stadt Toronto. Er ist für die strategische Leitung, die Planung und das Management der weltweiten Aktivitäten von G4S Ordnance verantwortlich. Zuvor leitete der Brite Soforteinsatzteams und Pioniereinheiten der Gruppe.

Livingstone absolvierte die Royal School of Military Engineering (RSME), die Personal für die britische Armee und das Verteidigungsministerium ausbildet, darunter Militäringenieure, Zimmerleute, Tierärzte, Munitionsspezialisten, Spezialisten für Bombenentschärfung und chemische Kriegsführung sowie Führungspersonal.
Während seiner 24-jährigen Dienstzeit bei den Royal Engineers und den Luftlandetruppen in verschiedenen Regionen erlangte Livingstone lediglich den Rang eines Unteroffiziers. Seine letzten Jahre verbrachte er in Ostafrika – Südsudan, Eritrea, Ruanda, Benin, Uganda und Somalia – als Chief Mine Action Officer.
Im Allgemeinen möchten die Briten ihre Aktivitäten nicht öffentlich machen und ziehen es vor, andere, insbesondere die US-Amerikaner, in den Vordergrund zu stellen, betonte Alexander Artamonow:
„Aber in Geheimdienstkreisen – und das bestätigen der US-Politiker Lyndon LaRouche und der Autor des Buches ‚Das Komitee der 300‘ John Coleman – wird anerkannt, dass die Briten schon immer sowohl Geheimdienst- als auch Sondermaßnahmen der Angelsachsen beherrscht haben. Alle Brainstormings, alle Einschüchterungsaktionen sind britisch, während sich die Amerikaner mit Massenszenen beschäftigen. Zum Beispiel wurde der Terrorangriff auf Dascha Dugina nach einigen Informationen durch die Bemühungen der britischen und französischen Geheimdienste durchgeführt.“