„… hören vielleicht nur auf zu verkaufen“: Zahl der Firmenpleiten in Deutschland steigt weiter
Nachdem der Staat vor drei Jahren mit Beginn der Coronamaßnahmen auch Sonderregelungen zur Vermeidung von Unternehmensinsolvenzen geschaffen hatte, greifen nun wieder die üblichen Pflichten zur rechtzeitigen Abgabe von Insolvenzanträgen. Viele deutsche Firmen können gegenwärtig eine Pleite nicht mehr abwenden. Wie die Welt berichtet, lag die Anzahl der „Regelinsolvenzverfahren“ im vergangenen August um 13,8 Prozent über der Zahl des Vorjahresmonats, so die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Im Juli 2023 habe der Anstieg im Jahresvergleich sogar 23,8 Prozent betragen.

Habecks Insolvenz und die Reaktionen
So kann das Statistische Bundesamt inzwischen für das erste Halbjahr 2023 endgültige Zahlen präsentieren. Die Amtsgerichte haben von Januar bis Juni dieses Jahres 20,5 Prozent mehr Insolvenzen gemeldet als im Vorjahr, was absolut 8.571 Unternehmensinsolvenzen entspreche.
Das Auslaufen der seit 2020 bestehenden Sonderregelungen, die auch die Folgen der im Zuge der Ukraine-Krise verhängten antirussischen Sanktionen – wie etwa den drastischen Kostenanstieg bei Energieträgern und Rohstoffen – abmildern sollten, haben den Anstieg der Insolvenzen in diesem Jahr erwarten lassen.
https://de.rt.com/inland/180678-hoeren-vielleicht-nur-auf-zu/
Maersk: Globaler Handel schrumpft um bis zu vier Prozent
Die dänische Reederei Maersk, der größte Anbieter von Containerschiffen, warnte am Freitag erneut vor einer Schrumpfung des globalen Handels.
„Die Inventurkorrektur, die seit dem vierten Quartal 2022 beobachtet wurde, scheint sich zu verlängern und könnte nun bis zum Ende des Jahres dauern. A.P. Moller-Maersk sieht nun das Wachstum des globalen Containervolumens in der Spanne von -4 bis -1 Prozent, im Vergleich zu -2,5 bis + 0,5 der vorhergehenden Prognose.“
Übersetzt heißt das, dass nach dem Ende der Corona-Maßnahmen überall die Lager aufgefüllt, aber noch nicht abverkauft wurden, weil die Nachfrage geringer ausfiel als erwartet.

Seit Anfang 2022 fallen die Frachtraten für die Containerrouten und befinden sich derzeit wieder auf oder unter dem Niveau von 2021, als der durch die Corona-Maßnahmen verhinderte Konsum zu einem vorübergehenden Hoch führte. Zwar konnte im Juli eine leichte Erholung der Frachtraten verzeichnet werden, aber diese führt Maersk auf ein verringertes Angebot an Containerkapazität zurück.
Maersk transportiert etwa jeden sechsten Container weltweit. Die aktuelle Prognose des Unternehmens deutet auf eine schwierige Zukunft hin.
Deutsche Konjunktur bricht auf breiter Front ein
Es sind ganz schlechte Nachrichten, die der wirtschaftspolitische Blog Makroskop zusammengetragen hat. Für die deutsche Wirtschaft deuten alle relevanten Indikatoren nach unten.

Die Zahl der Insolvenzen erreicht inzwischen Höchstwerte, die schwache Konjunktur wirkt sich inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt aus, der Konsum bleibt schwach, ebenso die Bautätigkeit, der ZEW-Konjunktur-Indikator sinkt weiter und auch der wichtigsten Exportbranche, der Autoindustrie, stehen düstere Zeiten bevor.
So nahm die Zahl der Insolvenzen im Juni 2023 gegenüber dem Vormonat um 16 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um satte 48 Prozent zu.
Die Insolvenzen haben Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, über 15.000 Arbeitsplätze gingen im Juni verloren. Daher meldet die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles:
„Die schwierigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spüren wir nun auch auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit steigt, und das Beschäftigungswachstum verliert an Schwung.“
Der wichtige ZEW-Konjunkturindikator deutet ebenfalls nach unten. Der ermittelte Wert für den Ausblick der deutschen Unternehmen ging im Juni um weitere 6,2 Punkte zurück.
Die großen deutschen Autohersteller produzierten in den ersten fünf Monaten des Jahres zwanzig Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019, dem Jahr vor Corona.
Zudem ging die ohnehin schon schwache Bautätigkeit in Deutschland in den ersten fünf Monaten noch einmal um kräftige 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück.
Das hat natürlich alles auch Auswirkungen auf den Konsum. Angesichts der prekären Situation geben die Deutschen nichts mehr aus. Der Umsatz im Gastgewerbe fiel im Mai 2023 um 11,8 Prozent niedriger aus als im Mai 2019.
Investoren meiden Deutschland: Netto-Kapitalabfluss 2022 in Rekordhöhe
Einer Studie zufolge meiden Investoren den Standort Deutschland immer deutlicher. Im Laufe des Jahres 2022 flossen netto 132 Milliarden US-Dollar Direktinvestitionen aus Deutschland ab. Das bedeutet, dass die Investitionen aus dem Ausland in Deutschland um diese Summe niedriger ausfielen als die Investitionen deutscher Unternehmen und des deutschen Kapitals im Ausland.
Das ergibt sich aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über die das Handelsblatt in der zurückliegenden Woche berichtet hat. Es handele sich dabei um den stärksten Kapitalabfluss unter 46 Staaten, die in die Studie einbezogen waren.
Das Handelsblatt zitiert den IW-Ökonomen Christian Rusche mit den Worten:
„Die Zahlen sind als Warnsignal zu verstehen, dass der Standort an Attraktivität verliert: Demografie oder hohe Energiepreise setzen Deutschland zu. Viele Probleme sind aber hausgemacht.“
Hohe Unternehmenssteuern, bleierne Bürokratie und eine marode Infrastruktur hätten Deutschland immer unattraktiver gemacht.
Der Nettoabfluss an Kapital aus Deutschland hatte sich zwischen 2014 und 2018 abgeschwächt, seit 2019 wächst er wieder. Besonders dramatisch eingebrochen seien der Studie zufolge die Direktinvestitionen aus anderen europäischen Ländern. Diese sanken demnach von 79 Milliarden 2021 auf nur noch 13 Milliarden Euro im Jahr 2022.
Auftragsbestand im verarbeitenden Gewerbe im Mai weiter rückläufig
Wie das Bundesamt für Statistik berichtet, war der reale, also preisbereinigte Auftragsbestand im verarbeitenden Gewerbe im Mai weiter rückläufig. So sank er gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 0,5 Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat kalenderbereinigt sogar um 3,3 Prozent. Bei den Herstellern von Investitionsgütern reduzierte sich der Auftragsbestand um 0,5 Prozent gegenüber April, ebenso bei den Herstellern von Vorleistungsgütern. Im Bereich der Konsumgüter sank er gar um 1,4 Prozent.

Besonders stark zeigte sich die negative Entwicklung der Auftragsbestände im Bereich Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Hier wurde kalender- und saisonbereinigt ein Minus von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat verzeichnet. Auch der Maschinenbau beeinflusste mit seinem Rückgang um 0,5 Prozent das Gesamtergebnis negativ. Dagegen nahm der Auftragsbestand im Bereich Herstellung von Metallerzeugnissen sogar um 2,1 Prozent zu.
Zudem ist – jedenfalls statistisch – ausschließlich das exportierende Gewerbe vom Rückgang des Auftragsbestandes betroffen. Während die offenen Aufträge aus dem Inland im Mai 2023 gegenüber April 2023 sogar um 0,3 Prozent wuchsen, sank der Bestand an Aufträgen aus dem Ausland um 1,0 Prozent.
Auch die sogenannte Reichweite des Auftragsbestands ging zurück, wenn auch nur leicht. Die Zahl gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Auftragseingänge theoretisch produzieren müssten, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten.
Sie sank von 7,3 Monaten im April auf nunmehr 7,2 Monate im Mai 2023. Allerdings lässt sich der Rückgang hier ausschließlich bei den Herstellern von Investitionsgütern beobachten, dort fiel die Reichweite im Mai 2023 auf 10,1 Monate gegenüber April, als sie noch bei 10,3 Monaten lag. Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern und den Herstellern von Konsumgütern blieb sie jeweils unverändert bei 3,8 beziehungsweise 3,5 Monaten.
Jeder vierte Mittelständler zieht Geschäftsaufgabe in Betracht
Einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) zufolge zieht etwa jedes vierte mittelständische Unternehmen (26 Prozent) die Aufgabe des eigenen Geschäfts in Erwägung. Mehr als jeder fünfte Mittelständler (22 Prozent) denkt zudem über eine Verlagerung ins Ausland nach.
Hauptgrund für diese Überlegungen sei, dass man sich durch zu viel Bürokratie gehemmt fühle. So gab etwa knapp ein Drittel der Befragten überzogene Vorschriften als Einschränkung an. Mehr als ein Viertel sieht zudem hohe Steuern und Abgaben als Hindernis. Ebenfalls gut ein Viertel der Befragten fühlt sich durch den sich verschärfenden Fachkräftemangel in seiner Branche eingeschränkt.
Insbesondere Verlässlichkeit und Planbarkeit im Hinblick auf Rahmenbedingungen sind für die befragten Mittelständler offenbar von außerordentlicher Bedeutung. Lediglich etwa 40 Prozent bewerteten die Infrastruktur in Deutschland indes als positiv und gar nur etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent) lobten die politische Stabilität.
BVMW-Bundesgeschäftsführer Markus Jerger bezeichnete die Umfrageergebnisse in einer Pressemitteilung als „mehr als nur ein Warnsignal“. Wenn heimatverbundene, tief verwurzelte Unternehmer über das Aufgeben oder den Wegzug ins Ausland nachdächten, könne das „niemanden kaltlassen“, so Jerger weiter.
Ifo-Chef sieht Anzeichen für Deindustrialisierung
Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest ist die befürchtete Deindustrialisierung der Bundesrepublik Deutschland bereits im Gange. Der Wochenzeitung Zeit sagte Fuest:
„Wir beobachten in einer Reihe von Industrien, darunter mit Chemie und Auto in zwei Schlüsselbranchen, einen Abbau.“
Die Automobilindustrie schrumpfe bereits seit mehreren Jahren, ihre Produktion entspreche heute nur noch etwa zwei Dritteln des Niveaus von 2018, so Fuest. Deutschland als „kranken Mann Europas“ zu beschreiben, sei zwar „derzeit überzogen“, aber das Land habe ernste Probleme.
Standort Deutschland ist in Gefahr
Siemens sieht den Standort Deutschland in Gefahr. Siemens-Chef Roland Busch sagte dem Handelsblatt, die Bedingungen hätten sich deutlich verschlechtert:
„Wir sind mit allem unglaublich kompliziert und langsam geworden. Das wird international immer mehr zu einem Wettbewerbsnachteil.“
Siemens hat am Donnerstag zwar angekündigt, entgegen dem Trend massiv in Deutschland zu investieren. Allein in Erlangen, wo Komponenten der Leistungselektronik und Werkzeugmaschinen-Steuerungen für den Maschinenbau gefertigt werden, sollen 500 Millionen Euro investiert werden.
Die Investitionen seien aber nur möglich, weil es nicht um energieintensive Produktion gehe, sondern um eine Elektronikfertigung, so Busch. Für Unternehmen, die große Mengen an billiger Energie benötigten, etwa die Metallverarbeitung und Teile der Chemieindustrie, machten Investitionen in Deutschland immer weniger Sinn.
Anlageinvestitionen in Deutschland schwach
Nach einer Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft werden sich die Investitionen in Deutschland bis Ende 2024 nur um 2,2 Prozent erhöhen. Das berichtete das Handelsblatt. Damit sei die Bundesrepublik das Schlusslicht – in Großbritannien wird ein Plus von 7,2 Prozent, in den USA von 3,7 Prozent und in Japan von 4,2 Prozent erwartet.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, erklärte dazu: „Das Investitionsverhalten – der neue Frühindikator, den wir anstelle der Arbeitslosenstatistik zukünftig im Blick haben müssen, zeigt klar nach unten.“
Die Steigerung der Investitionen ist aber nur die halbe Wahrheit. Selbst das Handelsblatt gibt zu, das Plus „reicht nicht einmal, um die wirtschaftliche Substanz zu erhalten. Denn der Kapitalstock bröckelt bereits. Anlagen gehen kaputt, Technologien veralten – es braucht immer wieder Investitionen, um das Niveau des Kapitalstocks und damit die Substanz der Volkswirtschaft zu erhalten. Die Modernität des Kapitalstocks sinkt in Deutschland allerdings seit Jahrzehnten.“
Auch eine Studie des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) attestiert Deutschland vergleichsweise niedrige Produktivitätszuwächse und überalterte Ausrüstung. Dabei spielt nicht nur der hohe Ausgangswert eine Rolle, der Deutschland einmal auszeichnete ‒ insbesondere mangelnde Investitionsbereitschaft hat dazu geführt, dass Anlagen in Deutschland oft weit länger genutzt werden als andernorts. Selbst eine hohe prozentuale Zunahme der Investitionen nützt wenig, wenn diese seit Jahren unter jener Schwelle liegen, die schon für den regulären Ersatz der Anlagen benötigt wird.
Die Konsequenz, die BDI und VFA daraus ziehen, ist, von der Bundesregierung Investitionsförderung zu verlangen. Gesellschaftlich schwierig, weil es gewissermaßen noch dafür belohnt, jahrelang auf Verschleiß gefahren zu sein. Was weder BDI noch VFA in den Sinn kommt, ist, dass neben der Investitionsverweigerung im Interesse höherer Renditen auch die Niedriglohnpolitik eine Auswirkung auf die Produktivität gehabt haben dürfte. Wenn die Ausgangsproduktivität hoch ist, ist es die Zufriedenheit der Beschäftigten, die den letzten Ausschlag gibt.
Ökonom Flassbeck warnt vor schwerem Abschwung
Auch das liebste Kind der deutschen Wirtschaft, der Maschinenbau, steckt inzwischen in der Krise.
In einem Interview mit der Berliner Zeitung warnt der Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck vor einem schweren Abschwung. Für Deutschland deuten derweil alle Indikatoren nach unten. Besonders besorgniserregend ist, dass auch in den bisherigen Vorzeigebranchen düstere Stimmung herrscht. So ist im deutschen Maschinenbau die Nachfrage um 15 Prozent eingebrochen. Der Hauptgrund dafür seien die gestiegenen Zinsen, meint Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbandes deutscher Maschinenbauer (VDMA). Die hohen Zinsen wirkten dämpfend auf die Investitionstätigkeit, die Nachfrage gehe zurück.

Entsprechend fordert Flassbeck, die Leitzinsen müssten gesenkt werden. Das sei das Mindeste, was die Zentralbank jetzt tun könne. Der Konsum müsse angekurbelt werden, ist sich Flassbeck sicher, wobei er die aktuelle Situation mit dem Ölpreisschock zu Beginn der 1970er Jahre vergleicht.
„Die Kombination aus Nachfrageschock und hohen Zinsen führt in Deutschland wahrscheinlich zu einem schweren Abschwung“, so der Ökonom.
Allerdings stößt er bei der Bundesregierung damit bisher auf taube Ohren. Konjunkturprogramme lehnten sowohl Wirtschaftsminister Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) als auch Finanzminister Lindner (FDP) bisher ab. Das Habeckministerium geht im kürzlich vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht von weiter steigenden Investitionen aus. Das hält Flassbeck für eine Fehleinschätzung. Die Bautätigkeit gehe ebenso drastisch zurück wie der schon erwähnte Maschinenbau.
Die Bundesregierung priorisiert dessen ungeachtet die Einhaltung der Schuldenbremse. Auf eine aktivierende Wirtschaftspolitik wird bisher verzichtet.
Sparkurs in Deutschland, Rekord-Investitionen in China
Der Chemiekonzern BASF hat nach dem deutlichen Umsatzrückgang im zweiten Quartal 2023 einen Sparkurs angekündigt. BASF-Finanzchef Dirk Elvermann sagte am Freitag, man plane, die Fixkosten bis Ende 2026 zu senken, sodass sie jährlich rund eine Milliarde Euro weniger betragen werden.
Bereits bis Jahresende will das Unternehmen jährliche Einsparungen von über 300 Millionen Euro erreichen, allein 200 Millionen davon am Stammsitz Ludwigshafen, wo mehrere energieintensive Anlagen geschlossen werden. Weltweit sollen rund 2600 Stellen wegfallen.
Im zweiten Quartal war der Umsatz des Unternehmens um fast ein Viertel auf 17,3 Milliarden Euro gesunken. Der Nachsteuergewinn sank von 2,1 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 499 Millionen Euro.
Der Verband der chemischen Industrie (VCI) prognostiziert einen Umsatzrückgang im Gesamtjahr von 14 Prozent und einen Produktionsrückgang von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Chemie-Branche bewertet die Standortbedingungen in Deutschland als unattraktiver im Vergleich zum Ausland, insbesondere aufgrund der Faktoren Energiekosten, Bürokratie, Genehmigungsverfahren und Steuern.
Bei den Sparmaßnahmen konzentriert sich BASF hauptsächlich auf Europa. In China investiert der Konzern derzeit über zehn Milliarden Euro in eine neue Verbundanlage im chinesischen Zhanjiang. Es ist die größte Investition eines deutschen Unternehmens in China, die es jemals gab.
Gesamtmetall-Chef: „Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig“
Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, hält die Bundesrepublik Deutschland für nicht mehr wettbewerbsfähig. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagte Wolf am Mittwoch:
„Wir sind in der Tat wieder der kranke Mann Europas.“
Die Gesamtlage sei schwierig. Man werde im zweiten Halbjahr in die Rezession rutschen. Als Wachstumshindernisse nannte Wolf die anhaltend hohen Energiepreise, die Bürokratie und die hohen Steuern. Auch der Bildungssektor versage:
„50.000 junge Menschen gehen ohne Abschluss jedes Jahr von den Schulen.“
Im Zusammenhang mit den drastisch gestiegenen Energiepreise kritisierte der Verbandschef den Atomausstieg als „reine Ideologie“:
„Wenn wir in Deutschland keine Atomkraftwerke betreiben, aber in anderen Ländern Atomstrom zukaufen, ist das aus meiner Sicht ein völlig falscher Weg.“
Große staatliche Förderprogramme, wie sie etwa die USA mit dem „Inflation Reduction Act“ beschlossen haben, hält Wolf für keine gute Lösung. Diese könnten immer nur kurzfristig wirken. Auch den von Wirtschaftsminister Robert Habeck geplanten Industriestrompreis lehnte der Gesamtmetall-Chef ab:
„Subventionen helfen nie langfristig, einen Wirtschaftsstandort zu stärken, sondern das muss aus der Industrie selbst herauskommen.“
Dazu müsse man Steuern senken und Bürokratie abbauen. Der Bundesregierung warf Wolf angesichts der schwierigen Lage Uneinigkeit und Tatenlosigkeit vor:
„Es fehlt hier aus meiner Sicht der einheitliche Wille von allen drei Koalitionspartnern, was zu tun und Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen in vielen Bereichen… Diese ganzen Dinge werden nicht angepackt, weil hier zu sehr ideologische Themen im Vordergrund stehen.“
Grundeigentümerverband erwartet weiter steigende Grundsteuer
Inflationsrate im August 2023 bei über sechs Prozent
Die Inflation in Deutschland steigt weiter. Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom Freitag lag sie im August bei 6,1 Prozent. Die Preissteigerungen von Nahrungsmitteln und Energie lagen mit 9,0 bzw. 8,3 Prozent deutlich über der Gesamtteuerung. Gegenüber dem Vormonat Juli 2023 stiegen die Preise um 0,3 Prozent.
Rückgang der Inflation bleibt eine zähe Angelegenheit
Die Inflationsrate in der Bundesrepublik ist im Juli leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise nach deutscher Rechnung (VPI/Verbraucherpreisindex) „nur“ noch um 6,2 Prozent. Dies gab das Statistische Bundesamt am Freitag auf Basis einer vorläufigen Schätzung bekannt.
Im Juni hatte die Preissteigerung bei 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gelegen. Ökonomen hatten im Vorfeld mit einer Rate von 6,2 Prozent gerechnet. Die sogenannte Kerninflation, bei der der Einfluss der Preise von Lebensmitteln und Energie, die stark schwanken können, ausgeklammert wird, sank von 5,8 Prozent auf 5,5 Prozent. Im Verlauf des Monats Juli stiegen die Preise um 0,3 Prozent. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, sagte mit Blick auf diesen Wert, der im Juni genauso hoch lag:
„Der Rückgang der Inflation bleibt eine äußerst zähe Angelegenheit.“
Bei unveränderter monatlicher Preissteigerungsrate habe sich am Inflationsdruck eigentlich nichts geändert. Die gesunkene Jahresrate hänge primär von der Entwicklung der Basis im Vorjahr ab. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, sagte:
„Vorerst sinkt die viel zu hohe Teuerung nur in quälend gemächlichem Tempo.“
Sie erklärte aber auch, dass „stagnierende Erzeuger- und sinkende Importpreise“ einen Rückgang des Inflationsdrucks erwarten ließen. Die Inflation ist auch ein wesentlicher Faktor für die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Dabei sind letztlich die für Montag erwarteten Daten zur Inflation für den gesamten Euro-Raum ausschlaggebend. Die Notenbank hatte am Donnerstag die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt erhöht.
Die EZB reagierte damit auf eine Inflationsrate von 5,5 Prozent im Juni im Euro-Raum. Auch die Kerninflation hatte diesen Wert erreicht. Der offizielle Leitzins liegt damit nach der neunten Anhebung in Folge bei 4,25 Prozent, der Einlagezins liegt jetzt bei 3,75 Prozent. Die EZB hatte auch Ergebnisse ihrer jüngsten Umfrage unter Ökonomen zu den erwarteten Daten zur Inflation und der wirtschaftlichen Entwicklung im dritten Quartal veröffentlicht. Darin ergab sich für den Euro im Vergleich zur letzten Umfrage im Vorquartal kaum eine Veränderung bei der Inflationserwartung für das laufende Jahr. Nach 5,6 Prozent wird sie nun auf 5,5 Prozent geschätzt. In den Prognosen spielt zudem die Kerninflation die wichtigere Rolle. Den Vorhersagen zufolge soll sich die Inflation 2025 mit 2,2 Prozent dem EZB-Ziel von glatt zwei Prozent annähern.
Pleitewelle: Immer mehr Betriebe und Maschinen werden versteigert
Analysen zufolge ist die Zahl der Firmenpleiten in der Bundesrepublik auf den höchsten Stand seit sieben Jahren gestiegen. Wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilte, seien im Juni insgesamt 1.050 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert worden. Das seien 16 Prozent mehr als im Mai dieses Jahres und 48 Prozent mehr als im Juni 2022. Damit sei der höchste Wert seit Juni 2016 gemessen worden.
Nach Prognosen der meisten Wirtschaftsinstitute wird die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2023 schrumpfen. Für das 1. Halbjahr 2023 haben nach den offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes 8.400 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Eine vergleichbare Zunahme gab es zuletzt 2002. Für die wachsende Zahl an Insolvenzen finden sich zahlreiche Gründe, darunter die hohen Energie- und Materialpreise sowie die Zinswende. Wie Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, erklärte, würden die in der Corona-Krise verteilten Hilfen nun zum Bumerang. Die Rückzahlungen der Hilfen und teils verschleppte Anpassungen des Geschäftsmodells führten bei dauerhaft steigenden Zinsen in eine wirtschaftliche Sackgasse.
Zudem stellen die hohen Energiepreise, die Bürokratie und ein Mangel an Mitarbeitern für die meisten Unternehmen eine Belastung dar. Dies macht sich auch bei den Auktionshäusern bemerkbar: So berichtet der Auktionator Jürgen Philippi aus Moschheim auf tageschau.de darüber, dass derzeit besonders viele Firmen aufgäben. Dies sei bei seinen zahlreichen Auktionen und anhand der vielen Maschinen, die auf seinem Gelände stünden, ersichtlich. Darunter fänden sich neben Baggern, Pkw und Lkw auch zahlreiche Bauutensilien wie Rüttelstampfer, Auffahrrampen oder Palettenhubwagen. Mittlerweile kämen zahlreiche Waren aus Insolvenzen unter den Hammer. Philippi berichtet:
„Die Wirtschaftskrise schlägt bei mir hier jetzt richtig auf. Immer mehr Firmen müssen aufgeben. Andere wollen nicht mehr weitermachen. Noch gestern hat ein Kunde zu mir gesagt: ‚Bitte versteigere meinen Betrieb. Ich kriege das Geld nicht wieder rein, die Kosten sind zu hoch, und Mitarbeiter fehlen mir auch.'“
Deutsche Exporte gehen zurück
Die deutschen Exporte gegenüber sind im Juli 2023 gegenüber dem Juni 2023 um voraussichtlich 0,9 Prozent gesunken. Die Importe stiegen dagegen um 1,4 Prozent. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken die Exporte im Juli 2022 um 1,0 Prozent, die Importe um 10,2 Prozent.
„Der Wohnungsbau steht unter starkem Druck. Auf der einen Seite werden kontinuierlich bestehende Aufträge storniert, auf der anderen Seite kommen immer weniger Neuaufträge rein.“

Der Rückgang ist für alle Gebäudearten zu verzeichnen. Bei Mehrfamilienhäusern verringerten sich die Genehmigungen für den Bau neuer Wohnungen um ein Viertel. Der Rückgang beträgt 27 Prozent. Genehmigt wurden 26.700 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang bei der Genehmigung von Einfamilienhäusern betrug sogar 35,4 Prozent, und bei Zweifamilienhäusern sanken die Zahl der zum Bau genehmigten Wohnungen sogar um die Hälfte. Lediglich 7.700 neue Baugenehmigungen wurden erteilt.

Metro warnt vor Pleitewelle in Gastronomie
Der Vorstandsvorsitzende des Großhändlers Metro AG, Steffen Greubel, warnt vor einer Pleitewelle in der Gastronomie gewarnt. Diese drohe, wenn der Mehrwertsteuersatz in der Branche zum Jahresende wieder auf 19 Prozent angehoben werde. Dem Springerblatt Bild am Sonntag sagte Greubel:
„Wenn es so kommt, stehen bis zu 20.000 kleine bis mittlere Unternehmen vor der Pleite – jeder zehnte Betrieb.“
Der Metro-Chef erklärte weiter:
„Die Wirte haben sich gerade durch die Coronakrise gekämpft, spüren zuletzt einen gewissen Aufschwung – und dann kommt der nächste Schlag.“
Dieser Schlag könne ihnen das Genick brechen:
„Vielleicht betrifft das nicht so sehr Restaurants in Berlin-Mitte, wo die Politik sich gerne trifft, auch nicht die guten Lagen in Düsseldorf oder München. Aber ich fürchte wirklich, dass es gerade in kleineren Städten oder auf dem Land bald keine Wirtshäuser und Kneipen mehr geben wird.“
Während der Corona-Krise war der Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie auf sieben Prozent gesenkt worden, um die durch die staatlichen Maßnahmen angeschlagene Branche zu entlasten.
Hotel- und Gaststättenverband: 12.000 Betriebe gefährdet
Im kommenden Jahr soll die Mehrwertsteuer für Hotels und Gaststätten, die während der Corona-Krise auf sieben Prozent gesenkt wurde, wieder auf 19 Prozent steigen. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA warnt schon seit Monaten davor. Bereits im Mai gab er bekannt, dass der Umsatz inflationsbereinigt nie wieder die Höhe von 2019 erreicht habe. Innerhalb von zwei Jahren der Corona-Krise wären 16,1 Prozent der Betriebe zur Aufgabe genötigt worden.
Nun erklärte die Hauptgeschäftsführerin der DEHOGA, Ingrid Hartges, in einem Interview, eine Steuererhöhung würde weitere 12.000 Betriebe verschwinden lassen. Derzeit sind es insgesamt noch 186.000 Unternehmen mit insgesamt 1,08 Millionen Mitarbeitern und 900.000 Minijobbern.
Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Guido Zeitler, schloss sich der Forderung an, die Mehrwertsteuer weiter auf dem geminderten Satz zu belassen. „Um die Inflation nicht weiter anzuheizen“, erklärte er.
Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums entstehen durch die Absenkung der Mehrwertsteuer jährlich Mindereinnahmen von 3,4 Milliarden Euro. Die Ampel will sich Presseberichten zufolge erst im September anlässlich der Haushaltsberatungen entscheiden. Bisher bereits bekannt gewordene Sparpläne lassen allerdings wenig Hoffnung.
Wohnungslosigkeit nimmt zu
Die herbeiregierte Wirtschaftskrise sowie der von der Ampelkoalition angefachte Krieg in der Ukraine sorgen zunehmend für individuelle Schicksale unter der Bevölkerung. Eine Folge der Berliner Kriegspolitik ist ein Anstieg der Zahl bedürftiger Menschen, die auf eine Unterbringung durch den Staat angewiesen sind.
In einer jüngst veröffentlichten Erhebung stellt das Statistische Bundesamt diesbezüglich „eine deutliche Zunahme“ fest. Aus einer Pressemitteilung der Behörde geht hervor:
„Zum Stichtag 31. Januar 2023 waren nach den Meldungen von Kommunen und Einrichtungen in Deutschland gut 372.000 Personen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht.“
Damit habe sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht (2022: 178.000). Dieser Anstieg sei jedoch „zum Teil auf eine Verbesserung der Datenmeldung durch die beteiligten Stellen im zweiten Jahr der Statistikdurchführung zurückzuführen“. Wie sich diese „Verbesserung der Datenmeldung“ zahlenmäßig abbildet, teilt die Behörde jedoch nicht mit.
Unter den Empfängern staatlicher Unterbringung befinden sich zunehmend Flüchtlinge aus der Ukraine. Im Jahr 2023 seien knapp 130.000 aus der Ukraine geflüchtete Personen in der Statistik erfasst worden.
„Dies entspricht gut einem Drittel (35 Prozent) aller untergebrachten wohnungslosen Personen.“
Im Jahr 2022 seien lediglich 305 Personen registriert worden.
Wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mitteilt, leben in der BRD mit Stand Dezember 2022 insgesamt rund 38.500 Menschen tatsächlich auf der Straße.
„Die Menschen müssen sich auf Härten einstellen“
Die Ökonomin Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft, hat eine Konjunkturprognose abgegeben und den von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geplanten Industriestrompreis als „Wachstumshindernis“ kritisiert. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte die „Wirtschaftsweise“:
„Wir sind erst einmal in einer Stagnationsphase. Dabei würde ich nicht überbewerten, ob wir knapp über oder unter der Nulllinie liegen (…) Fakt ist: In einer Phase mit sehr geringem oder sogar negativem Wachstum müssen sich die Menschen auf Härten einstellen. Es kommt zu realen Einbußen.“
Mittelfristig hänge die Konjunktur auch davon ab, ob sich die Regierung zu „wichtigen und erst mal unangenehmen Strukturreformen“ durchringe. Der Industriestrompreis jedenfalls sei mittelfristig wenig hilfreich. Wenn man den Strompreis für die energieintensive Industrie senke, steige der Strompreis für alle anderen.
Der Politik warf die Ökonomin mangelnde Ehrlichkeit im Umgang mit den Bürgern vor:
„Wichtig ist mir, dass die Politik den Leuten reinen Wein einschenkt und deutlich macht: Der Umbau der Wirtschaft zur Klimaneutralität kostet etwas – auch den einzelnen Bürger (…) Fehlender Mut hat schon die Regierungszeit von Angela Merkel geprägt. Man geht immer nur so weit, wie man es dem Wähler verkaufen kann. Das geht mit der Ampel-Regierung so weiter.“
Zur „Ehrlichkeit“ gehört für Grimm offenbar auch die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Dieses solle bei steigender Lebenserwartung automatisch angehoben werden, zuletzt sank sie in der Bundesrepublik Deutschland.
Zahl der Insolvenzen steigt deutlich

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist drastisch gestiegen. Das berichtete das Statistische Bundesamtes (Destatis) am Freitag. Laut dessen vorläufigen Zahlen stieg die Anzahl der Insolvenzen im Juli 2023 gegenüber dem Vorjahresmonat um 23,8 Prozent.
Im Juni 2023 lag die Zahl der Insolvenzen bereits um 13,9 Prozent höher als im Juni 2022. Im Mai 2023 gab es 19 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahresmonat. Besonders betroffen von den Insolvenzen war im Mai der Bereich Verkehr und Lagerei.
Zahl der Insolvenzen bleibt hoch
Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften bleibt in Deutschland weiter hoch. Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Donnerstag mitteilte, lag die Zahl der Insolvenzen im Juli rund sechs Prozent über dem Durchschnittswert für den Juli in den Jahren 2016 bis 2019, also vor der Corona-Krise und dem Ukraine-Krieg. Gemäß den Angaben verzeichnete das IWH 1.025 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Im Vergleich zum Juli 2022 bedeute dies einen Anstieg um 44 Prozent.
