Sanktionen: Europa blockiert 60.000 Tonnen russischen Dünger für Afrika


Rutte wirft Europa Doppelmoral bei russischen Energieimporten vor

NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat europäischen Staaten Doppelmoral im Umgang mit russischen Energielieferungen vorgeworfen. Sie kritisierten US-Präsident Donald Trump wegen seines Dieselgeschäfts mit Moskau, kauften selbst aber weiterhin russisches Flüssigerdgas in Milliardenhöhe.

Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres kaufte Europa russisches Flüssigerdgas im Wert von sechs Milliarden Euro.

Europäer kaufen gesamtes verfügbares russisches Flüssigerdgas auf

Vor Inkrafttreten des Verbots: Europäer kaufen gesamtes verfügbares russisches Flüssigerdgas auf


Moskau legt Ausfuhrquoten für Mineraldünger fest

2 Nov. 2026 12:59 Uhr

Während Europa vor Gefahren für die globale Ernährungssicherheit warnt, bleiben rund 60.000 Tonnen russischer Düngemittel in seinen Häfen blockiert.

2 Nov. 2026

Russland kritisiert die anhaltenden Hindernisse bei der kostenlosen Lieferung nach Afrika.

Sanktionen: Europa blockiert 60.000 Tonnen russischen Dünger für Afrika
Symbolbild

Rund 60.000 Tonnen russischer Mineraldünger, die für bedürftige Länder Afrikas bestimmt sind, sitzen wegen der antirussischen Sanktionen weiterhin in europäischen Häfen fest. Dies erklärte Anna Jewstignejewa, stellvertretende Ständige Vertreterin Russlands bei den Vereinten Nationen, gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Ursprünglich waren nach Einführung der Sanktionen rund 262.000 Tonnen russischer Mineraldünger in den Häfen Lettlands, Estlands, Belgiens und der Niederlande blockiert worden. Russland hatte bereits 2022 angeboten, die Düngemittel bedürftigen Staaten kostenlos zu überlassen, insbesondere afrikanischen Ländern. Ihre Lieferung werde weiterhin behindert, so Jewstignejewa.

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Mehr als 200.000 Tonnen bereits geliefert

Trotz der Hindernisse ist es Russland seit Einführung der Sanktionen gelungen, mehr als 200.000 Tonnen Düngemittel nach Malawi, Kenia, Nigeria, Simbabwe, Sri Lanka und Bangladesch zu liefern.

Jede dieser Lieferungen stellte jedoch eine eigene Herausforderung dar. Die russische Seite musste zahlreiche bürokratische und finanzielle Hürden überwinden. Dazu gehörten die Zahlung von Steuern, die Lagerkosten für die blockierten Düngemittel, die Schiffscharter, der Umschlag und weitere logistische Dienstleistungen. Selbst die Abwicklung der Zahlungen wurde durch die Sanktionen erschwert.

Jewstignejewa kritisierte zudem, dass die Blockierung russischer Düngemittel andauere, während europäische Vertreter gleichzeitig vor Gefahren für die globale Ernährungssicherheit warnten und Russland für die Situation verantwortlich machten.

Russland will Agrarlieferungen nach Afrika ausbauen

Ungeachtet dieser Hindernisse setzt Russland auf den Ausbau seiner Wirtschaftsbeziehungen mit dem afrikanischen Kontinent. Moskau strebt an, den jährlichen Handelsumsatz mit Afrika auf 50 Milliarden US-Dollar zu steigern. Die Perspektiven einer solchen Entwicklung wurden auf dem Dritten Russland-Afrika-Gipfel erörtert, der am 29. Oktober in Moskau zu Ende ging.

Auf der Plenarsitzung des Wirtschafts- und Humanitären Forums „Russland-Afrika“ am 28. Oktober erklärte Präsident Wladimir Putin, dass Russland seit Jahresbeginn 13 Millionen Tonnen Agrarprodukte nach Afrika geliefert habe.

Afrikanische Union setzt auf Agrarpartnerschaft mit Russland

Afrikanische Union setzt auf Agrarpartnerschaft mit Russland

Das russische Außenministerium betonte zudem, dass Moskau bereit sei, die in bestehenden Verträgen vorgesehenen Getreidemengen vollständig an afrikanische Länder zu liefern. Dafür könnten alternative Transportrouten genutzt werden.

Russische Unternehmen interessieren sich für Produktionsstandorte in Afrika

Neben dem Ausbau des Handels gewinnt auch die industrielle Zusammenarbeit an Bedeutung. Putin zufolge sind einige russische Unternehmen daran interessiert, angesichts der verhängten Sanktionen Teile ihrer Produktion auf den afrikanischen Kontinent zu verlagern.

Darüber hinaus wollen russische Unternehmen neue Märkte erschließen, Produktionsstätten in Afrika aufbauen und Technologien transferieren. Gemeinsame Interessen bestehen insbesondere in den Bereichen Investitionen, Infrastruktur, Landwirtschaft, Energie, Bildung und Marktzugang. Die Umsetzung solcher Vorhaben wird allerdings unter anderem durch die internationale Instabilität erschwert.

Russisches Außenministerium: Westen nutzt Nahrung und Düngemittel zur Erpressung

28 Okt. 2026 18:41 Uhr

Die westlichen Länder nutzen lebenswichtige Güter und Düngemittel zur geopolitischen und geoökonomischen Erpressung, so das russische Außenministerium. Im Gegensatz dazu stelle Moskau keinerlei Bedingungen bei den Lebensmittel- oder Düngemittelexporten, betont man im Ministerium.

Russisches Außenministerium: Westen nutzt Nahrung und Düngemittel zur Erpressung
Symbolbild

Die westlichen Länder hätten Lebensmittel und Düngemittel zu einem Instrument geopolitischer und geoökonomischer Erpressung gemacht, erklärte der stellvertretende Leiter des russischen Außenministeriums. So bemerkte Sergei Rjabkow auf dem Wirtschafts- und Humanitären Forum „Russland – Afrika“:

„Wir setzen uns voll und ganz das Ziel, eine Agrar- und Industrieallianz zwischen Russland und Afrika ins Leben zu rufen. Diese befindet sich wohl noch in der Entstehungsphase. Sie ist noch nicht vollständig ausgereift. Während der Westen Lebensmittel und Düngemittel zu einem Instrument geopolitischer und geoökonomischer Erpressung gemacht hat, stellt Russland im Rahmen dieser Zusammenarbeit keinerlei politische Bedingungen.“

Deshalb richte sich der russische Markt nun aktiv auf den westlichen und den afrikanischen Raum aus, betonte der Vertreter des Außenministeriums.

EU: Sieben Staaten fordern neue Zölle auf russische Waren

EU: Sieben Staaten fordern neue Zölle auf russische Waren

Vertreter der EU äußern immer wieder Befürchtungen, dass Russland seine Machtposition in den Bereichen Lebensmittel und Rohstoffe ausnutzen könnte. Der Rückgang der russischen Lieferungen in europäische Länder erfolgte jedoch in erster Linie auf Initiative der Europäischen Union selbst, die angeblich versucht, ihre eigenen Landwirte zu schützen und den Anteil russischer Lieferungen zu verringern.

So hat die Europäische Union ab dem 1. Juli 2025 zusätzliche spezifische Zölle auf russische Düngemittel eingeführt – das heißt, 40 bis 45 Euro pro Tonne zusätzlich zum Basissatz von 6,5 Prozent. Als Folge davon sind die Exporte aus Russland in die EU im Zeitraum Januar bis August des Jahres 2026 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2025 um das 3,6-Fache zurückgegangen. Bis Juli des Jahres 2028 plant die Europäische Union, den Zollsatz auf 315 bis 430 Euro pro Tonne anzuheben, was Lieferungen aus Russland faktisch wirtschaftlich unmöglich macht, da die Abgabe den Wert der Ware selbst übersteigt.

Zudem hat die Europäische Union eine Antidumpinguntersuchung bezüglich der Einfuhr von Harnstoff, einem Stickstoffdünger, aus Russland eingeleitet. Sollte sich herausstellen, dass die Preise unter Wert liegen, wird dies zur Einführung von Zöllen auf russische Produkte führen. Die Untersuchung wurde auf Antrag der Lobbygruppe „Fertilizers Europe“ eingeleitet. Dort wurde berichtet, dass die niedrigen Preise der russischen Exporteure es ihnen angeblich ermöglichen, ihren Konkurrenten aus der EU einen Schritt voraus zu sein.

Vor dem Hintergrund der Beschränkungen in der EU steigert Russland seine Exporte in andere Regionen – so stiegen beispielsweise die Lieferungen von Mineraldüngern nach Afrika im Jahr 2026 um das 1,5-Fache – also auf über 2,2 Millionen Tonnen –, und insgesamt werden die See- und Schienenexporte in die BRICS-Staaten und den Globalen Süden umgeleitet.

Der Handel mit befreundeten Ländern hat das Exportmodell Russlands verändert

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